Die Intelligenz der Natur

I. Gibt es ein höheres Wesen als den Menschen?

Nach meiner Überzeugung JA: Es ist der Kosmos, das Universum, die Natur als Ganzes. Dies war der GOTT Goethes und Spinozas. Für sie waren Geist und Materie eins.
Sie waren Pantheisten, Spinoza (1632-77), der Philosoph, und Goethe (1749-1832), der Wissenschaftler und Dichterphilosoph.
Spinoza nannte den Kosmos, das Universum »natura naturata, geschaffene Natur«, also Natur in der Vielfalt ihrer Manifestationen, auch » natura naturans, schaffende Natur«, Natur in ihrer schöpferischen Einheit.
Und Goethe, ein Verehrer Spinozas, sagte einmal, er sei als Dichter und Künstler Polytheist, als Naturforscher Pantheist. Er lehnte das Christentum ab, denn:
»Keine Religion, die auf Furcht gegründet ist, wird bei uns geachtet.«

»Alle Schöpfung ist Werk der Natur.
Von Jupiters Throne
Zuckt der allmächtige Strahl,
nährt und erschüttert die Welt.«
»Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als dass sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste lässt zu Geist gerinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.«
»Ich halte mich fest und fester an die Gottesverehrung des „Atheisten“* und überlasse euch alles, was ihr Religion heißt und heißen müsst.« **

Wer durch Goethes Werke „surft“, wird viele Belege für seine ganzheitliche Weltauffassung finden. Damit kam er den Erkenntnissen der Neuen Physik (20. Jh.) erstaunlich nahe.

* Dies ist ironisch auf Spinoza bezogen. ** Brief an Jacobi, 5. 5. 1786

Siehe auch Seiten „Philosophie“ und Religionen“ im » ZEITFRAGENFORUM
http://www.dietrichstahlbaum.de

II. Der Mensch das Maß aller Dinge?

Ein menschliches Wesen ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Es erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas von allem anderen Getrenntes – eine Art optischer Täuschung seines Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, das uns auf unser persönliches Verlangen und unsere Zuneigung für einige wenige und nahe stehende Personen beschränkt. Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien.

Albert Einstein

„Der Mensch ist das Maß aller Dinge.” Diese Auffassung vertrat als erster der griechische Philosoph und Sophist Protagoras (um 485 bis ca. 415 v. Chr.). Er wurde dafür wegen Gotteslästerung angeklagt, floh und ertrank auf der Flucht. Protagoras bezog dies auf den Polytheismus seiner Zeitgenossen.
Ludwig Feuerbach (1804-72) setzte sich mit dem Monotheismus auseinander und kam zu dem Schluss: »Die Theologie ist Anthropologie…«, Wissenschaft vom Menschen:
»… d. h., in dem Gegenstande der Religion, den wir griechisch Theos, deutsch Gott nennen, spricht sich nichts Anderes aus als das Wesen des Menschen, oder: der Gott des Menschen ist nichts Anderes als das vergötterte Wesen des Menschen.« [Werke VIII, S. 21]

Feuerbach meinte den persönlichen Gott, den Schöpfergott, den Vatergott, eine Vorstellung, die schon Goethe durchschaut hatte:

»Wie einer ist, so ist sein Gott,
Darum ward Gott so oft zu Spott.«
[Zahme Xenien]

Wir Menschen sind zwar, verglichen mit allen anderen Lebewesen auf unserer Erde, die am höchsten entwickelte Spezies, unsere Intelligenz wird jedoch übertroffen von der Gesamtnatur, die uns hervorgebracht hat.

Goethe: »Alle Schöpfung ist Werk der Natur.«

Wir, selber ein Teil der Natur, haben von ihr gelernt. Wir haben natürliche Gesetzmäßigkeiten entdeckt, Funktionen, Kausalzusammenhänge; wir haben die Natur vermessen – nach unseren Maßstäben; wir haben sie berechnet – nach unserer Mathematik, und wir haben sie sozusagen „nachgebaut“: das Flugzeug nach Vogelart, das U-Boot nach Fischart, die ganze Chemie nach Naturprozessen, – nachgebaut bis auf den Kern, den Atomkern, und haben die gefährlichste Bombe daraus gemacht. Insofern sind wir tatsächlich „höhere Wesen“, die gottartig die gesamte Biosphäre vergiften und vernichten können, nicht jedoch die Gesamtnatur, den Kosmos, das Universum.
Dies und nichts anderes haben Spinoza und Goethe gemeint. „Gott“, ihr pantheistischer Gott, ist eine Metapher für diese Gesamtnatur, diesen Kosmos, dieses Universum, das unsere Intelligenz übersteigt.
Die Natur ist in ihrer Gesamtheit „intelligenter“ als wir Menschen. Und sie ist anders, als die Mechanisten Newton und Bacon geglaubt haben: keine Maschine, sondern ein lebendiges Wesen, das sich fortwährend ändert, das sich verwandelt, stirbt und sich erneuert – von der Zelle bis zum atomaren Kern.
Die Natur ist kein statisches Gebilde. Sie ist ein permanenter Prozess, in den wir eingebunden sind. Ein Prozess, der nach Grundmustern abzulaufen scheint [So bleibt die Form eines Blattes, einer Blüte, eines Fußes, einer Hand ect. stets dieselbe, wenn nicht der Mensch den genetischen Code verändert oder eine natürliche Mutation geschieht.]
Wie und wodurch sind diese Grundmuster entstanden? Vermutet wird: durch Selbstorganisation des Lebens. [Erich Jantsch: Vom Urknall zum menschlichen Geist (1980)]

Naturprozesse können aber auch chaotisch sein. Das ist eine Frage der Anschauung.
Neue Physik und Neue Biologie haben uns viele Erkenntnisschritte weitergebracht. Dennoch kommen auch die exakten Wissenschaften nicht ohne Hypothesen und Theorien aus. Dies sind die Krücken, an denen wir gehen, und die Prothesen für die fehlenden Zähne und Beine.

Ich wurde gefragt: „Haben Sie schon mal ein höheres Wesen als den Menschen gesehen?“
Der Biologe Robert Trivers würde wohl darauf antworten: »Es gibt keinerlei objektive Grundlage, die es uns erlauben würde, eine Art höher als eine andere einzuschätzen.« [In: Richard Dawkin: »Das egoistische Gen«, Geleitwort]

Meine Antwort: Ja. Was ich damit meine, was ich darunter verstehe, habe ich eben zu erläutern versucht. Ich nenne es allerdings nicht „Gott“.

Es gibt einen Gott, der sich darüber Gedanken gemacht hat, den Prof. Gott: „Das Universum ist gewissermaßen seine eigene Mutter.“
http://www.konradin.de/konradin/presse/244979.html

Und es gibt einen Geophysiker, der die Erde als ein Lebewesen versteht und beschreibt: James Lovelock *:
http://www.moehre.com/GAIA-Hypothese.htm

* Zu Lovelocks neustem Buch:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21809/1.html

Dazu dieser kleine Dialog:
Treffen sich zwei Planeten:
„Na Du schaust aber gar nicht gut aus, was fehlt Dir denn?“
„Tja, ich habe Homo Sapiens…“
„Oh, wie unangenehm! Aber denk Dir nichts, das geht vorbei.“

III. Die Intelligenz der Natur

Damit wir wissen, wovon wir reden, bzw. worüber wir schreiben, habe ich verschiedene Definitionen des Begriffes «Intelligenz» heraussucht:

Im KLUGE, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache wird das Wort «Intelligenz» zurückgeführt auf intellegere (intellectum): «verstehen, wahrnehmen, erkennen» und legere: «zusammennehmen, ins Auge fallen, aussuchen» und alégein: «auf etwas achten, sich um etwas kümmern.» (18. Jh.)
Im WAHRIG-Fremdwörter-Lexikon bedeutet Intelligenz «Einsicht, rasche Auffassungsgabe, Klugheit, geistige Begabung, Verstandeskraft», lat. intelligentia: «Begriff, Idee, Einsicht, Verständnis». [Im WAHRIG gibt es auch die „Intelligenzbestie“.]
Im DUDEN (Rechtschreibung) hat «I.» dieselbe Bedeutung.
In MEYERS TASCHENLEXIKON (12 Bde.) heißt es ausführlicher: “im allg. Verständnis die übergeordnete Fähigkeit (bzw. eine Gruppe von Fähigkeiten), die sich in der Erfassung und Herstellung anschaulich und abstrakter Beziehungen äußert, dadurch die Bewältigung neuartiger Situationen durch problemlösendes Verhalten ermöglicht…“ und so fort. In der Psychologie „als Primärfähigkeiten bezeichnete I.faktoren: sprachliches Verständnis, Assoziationsflüssigkeit, Rechengewandtheit, räumliches Denken, Gedächtnis, Auffassungsgeschwindigkeit und schlussfolgerndes Denken“.
In der Encarta Enzyklopädie steht in etwa das Gleiche.
Und wer noch Lust hat, kann Wikipedia aufschlagen
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz

Nun stehen wir ganz dumm da und fragen uns, wer oder was, wenn nicht einmal wir selber alle diese Fähigkeiten haben, sollte intelligenter sein als wir Menschen?
Lynn Margulis, eine amerikanische Mikrobiologin, die mit Lovelock zusammengearbeitet hat, erläutert sie so:
»Vereinfacht formuliert, besagt die Gaia[-Hypothese], dass die Erdoberfläche, die wir bislang für die Umwelt des Lebens gehalten haben, in Wirklichkeit ein Teil des Leben ist. Die Lufthülle – die Troposphäre – muß als ein Kreislaufsystem betrachtet werden, das vom Leben erzeugt und in Gang gehalten wird…
Wenn Wissenschaftler uns erzählen, dass sich das Leben einer im wesentlichen passiven Umwelt aus Chemie, Physik und Gesteinen anpasst, dann verewigen sie damit nur eine erheblich verzerrte Anschauung. Tatsächlich nämlich macht, bildet und verändert das Leben die Umwelt, an die es sich anpaßt. Und dann wirkt diese „Umwelt“ auf das Leben zurück, das sich in ihr verändert, agiert und wächst. Da kommt es zu ständigen zyklischen Wechselwirkungen.«
[Zitiert in: Fritjof Capra: Lebensnetz, München 1999, S. 127 f.]

Capra: »So konnten die beiden Wissenschaftler nach und nach ein komplexes Netzwerk aus Rückkopplungsschleifen erschließen, auf denen – so ihre Hypothese – die Selbstregelung des planetarischen Systems beruht. Das hervorstechendste Merkmal dieser Rückkopplungsschleifen besteht darin, dass sie lebende mit nichtlebenden Systemen verknüpfen. Wir können uns Gesteine, Tiere und Pflanzen demnach nicht mehr als getrennte Phänomene vorstellen. Die Gaia-Theorie zeigt, dass es eine enge Verkettung zwischen den lebenden Teilen des Planeten – Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren – und seinen nichtlebenden Teilen – Gesteinen, Ozeanen und Atmosphäre – gibt.« [Daselbst S. 125]
In einem Satz: Ökologisch als Ganzes betrachtet, ist die Erde samt Atmosphäre ein lebendiges, selbstorganisierendes System, in dem die Lebewesen und „tote Materie“ nicht voneinander getrennt sind.

Es muss also etwas geben, das diese «Selbstorganisation» bewirkt und steuert. Eine immanente, eine diesem System innewohnende „Kraft“, ein universaler „Geist“, eine universale Intelligenz.

Dazu Capra: »In der jetzt entstehenden Theorie lebender Systeme ist der Prozess des Lebens (…) gleichzusetzen mit der Kognition, dem Prozess des Erkennens. Die erfordert einen radikal neuen Begriff des Geistes, und das ist vielleicht der revolutionärste und faszinierendste Aspekt diese Theorie. Endlich scheint die Überwindung der kartesianischen Trennung zwischen Geist und Materie möglich.«

René Descartes (1596-1650) sah das Universum als ein mechanisches System, gleich einem Uhrwerk, das aus lauter Einzelteilen zusammengesetzt ist, das Werk eines Schöpfers namens „Gott“.

Capra: »Nach der Theorie lebender Systeme ist der Geist nicht ein Ding», wie Descartes annahm, «sondern ein Prozess – der eigentliche Prozess des Lebens. Mit anderen Worten: Die organisierende Aktivität lebender Systeme ist auf allen Ebenen eine geistige Aktivität. Die Wechselwirkungen eines lebenden Organismus – Pflanze, Tier oder Mensch – mit seiner Umwelt sind kognitive oder geistige Wechselwirkungen. Somit sind Leben und Geist untrennbar miteinander verbunden. Der Geist – oder genauer der geistige Prozess – ist in der Materie auf allen Ebenen des Lebens gegenwärtig. Der neue Begriff des Geistes wurde in den sechziger Jahren unabhängig voneinander durch Gregory Bateson und Humberto Maturana entwickelt.«

Für solch eine universal organisierende, geistige Aktivität reicht die «Intelligenz» des Menschen – unsere – nicht aus.
Steigen wir also von dem hohen Ross herunter, nehmen wir die Krone ab, die wir uns aufgesetzt haben, und verbeugen wir uns in Ehrfurcht vor dem Leben!
Die Schneeglöckchen sind da! Und die vielen Krokosse warten auf die Sonne…

IV. Theorien

Es sind Theorien! Auf Fakten gegründet. Theorien, entwickelt aus anderen Theorien: Quantentheorie, Relativitätstheorie und anderen, die im 20. Jh. von Physikern und Biologen aufgestellt worden sind.
Theorien sind die Brücken über das, was wir nicht wissen. Und das ist gar nicht so wenig. Sie helfen uns, Phänomene zu erklären und zu verstehen, und in der Praxis, Technologien und Techniken zu erfinden und anzuwenden. Ohne die Relativitätstheorie und ohne die Quantentheorie gäbe es keinen Transistor, keinen Computer, keine Fotozellen, keine CDs, keine Handys, keine Digitalik, keine Elektronik in Fahrzeugen und Geräten, keine Atomkraftwerke und keine A-Waffen [auf die wir besser verzichtet hätten].
Anders gesagt: Die alte, klassische, materialistische und mechanistische Physik musste erst überholt, d. h. ihre Grenzen mussten überschritten werden, damit der Weg frei wurde für die Erforschung subatomarer Phänomene und für die o. g. Erfindungen.
Das Weltbild der alten Physik wurde ersetzt durch ein neues, ein holographisches (ganzheitliches).

V. Was ist Materie?

»Wenn eine neue Erkenntnis sich nicht durchsetzt, und das ist fast immer der Fall, dann muss man 40 Jahre warten, bis die Gegner der Neuerung alle gestorben sind, und dann ist auf einmal alles richtig.«
Max Planck, zitiert in der FR vom 9.1.01

Einen kurzen Abriss finden Sie auf der Seite «Philosophie» im ZEITFRAGENFORUM
http://www.dietrichstahlbaum.de

Materie ist verdichtete Energie, Masse. Und Masse ist keine Substanz, sondern eine Energieform. »Energie aber ist eine dynamische, mit Aktivität oder einem Vorgang assoziierte Größe. Die Tatsache, dass die Masse eines Teilchens« [eines Quarks, eines Leptonen] »gleich einer bestimmten Energiemenge ist, bedeutet, dass das Teilchen nicht länger als statisches Objekt gesehen werden kann, sondern als dynamische Struktur, als Prozess der Energie, die sich als Masse des Teilchens manifestiert.«
[Capra, Tao der Physik, S.76 f., Hervorhebungen von mir, dst.]

Demnach kann die Selbstorganisation des Kosmos nicht auf irgendwelchen “spezifischen Eigenschaften der Materie“ “basieren“ und ist „die Intelligenz der Natur“ nicht die Summe “spezifischer Eigenschaften der Materie“, sondern der gesamte Kosmos, das Universum, die Natur als Ganzes, hat alle Eigenschaften der Intelligenz, die zur Selbstorganisation erforderlich sind.

Capra: »Die neue Weltanschauung betrachtet das Universum als dynamisches Gewebe zusammenhängender Vorgänge. Keine der Eigenschaften irgendeines Teils dieses Gewebes ist fundamental, sie alle ergeben sich aus den Eigenschaften der anderen Teile, und die Gesamtüberstimmung der gegenseitigen Wechselbeziehungen bestimmt die Struktur des ganzen Gewebes.« [s.o., S. 216]

Und wie kommt diese Gesamtüberstimmung zustande? Durch Selbstorganisation!
Hier unterbreche ich erst einmal unsere Betrachtung, um die These “Eine Ehrfurcht vor dem Leben gibt es nicht. Jeder Mensch muß, um leben zu können, töten! Der Mensch muß essen und dafür muß er Tiere und Pflanzen töten.“ zu antworten:

Dass wir ohne zu töten nicht leben können, ist unser Dilemma. Es schließt jedoch Ehrfurcht vor dem Leben nicht aus. Denn ohne Ehrfurcht auch keine Achtsamkeit im Umgang mit anderen Lebewesen, mit der Biosphäre, in die wir eingebunden sind.

Nordamerikanische Indianer, die noch nicht der Natur entfremdet sind, kommunizieren und identifizieren sich mit den Tieren, bevor sie sie töten, und zelebrieren nachher einen Ritus, um ihnen zu danken. Und sie verlassen nach der Jagd ihre Lagerstätte so, wie sie sie vorgefunden haben.

VI. Nun nochmals dieselbe Frage: Gibt es ein höheres Wesen als den Menschen?

Geantwortet habe ich: Nach meiner Überzeugung JA: Es ist der Kosmos, das Universum, die Natur als Ganzes.
Zur Selbstorganisation der Gesamtnatur, des Kosmos, des Universums, dieser hochkomplexen Welt, dieses überdimensionalen Organismus bedarf es höchster Intelligenz. Dagegen ist unsere, des Menschen Intelligenz sehr begrenzt.
Der Mensch ist das von den Primaten am höchsten entwickelte Tier (Mensch und Schimpanse haben zu etwa 98,7 % dasselbe Erbgut). Nicht mehr und nicht weniger.
Diese philosophischen Implikationen der Neuen Physik finden Sie, etwas anders formuliert, bei Einstein, Planck, Heisenberg, Niels Bohr und anderen großen Physikern des 20. Jhs., die keine betriebsblinden Experten (man nennt sie auch „Fachidioten“) waren bzw. sind.

Die Idee einer solchen allumfassenden Intelligenz ist ja nicht neu. Ich erwähnte Spinoza und Goethe. Ein Zeitgenosse Goethes nahm einen das ganze All durchwirkenden „Weltgeist” [Nous] an: Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831). Hegel war einer der bedeutendsten Philosophen.
[Nous (griechisch: Vernunft, Geist) ist eine philosophische Bezeichnung für das geistige Wahrnehmungsvermögen des Menschen.]

Es versteht sich ja doch von selbst: Jede Theorie, alle Erkenntnis, jedes Weltbild ist vorläufig, bis durch neue Auffassungen und durch ein neues Paradigma vieles oder alles wieder über den Haufen geworfen wird. Der erste der weltbewegenden Paradigmenwechsel war die Kopernikanische Wende.

Das gegenwärtige holographische Weltbild und die Philosophie, die darauf gründet, bedeuten bereits solch einen Paradigmenwechsel. Es braucht wohl mehr als 40 Jahre, bis dieses Paradigma verstanden und von allen WissenschaftlerInnen akzeptiert wird.
Immerhin, es gibt zahlreiche Ansätze dafür. Ein Beispiel ist das «Potsdamer Manifest „Wir müssen lernen, neu zu denken“» → http://www.vdw-ev.de/index.php/de-DE/projekte-der-vereinigung-deutscher-wissenschaftler-vdw-ev/potsdamer-manifest1

Auch daran gibt es keinen Zweifel: Die alte, klassische Physik ist weiterhin gültig. Aber ihr Geltungsbereich hat sich durch die neue ganzheitliche Physik als eingeschränkt erwiesen.
Die klassische, materialistische und mechanistische Physik wurde überholt, d. h. ihre Grenzen wurden überschritten. „Das Weltbild der alten Physik wurde ersetzt durch ein neues, ein holographisches (ganzheitliches)“. So etwa hatte ich es formuliert. Demnach hat auch die klassische Physik ihren Platz im holographischen Weltbild. Eine mechanische Uhr bleibt eine mechanische Uhr, eine digitale Uhr eine digitale.

VII. Chaostheorie, Geist, Intelligenz der Natur

Durchaus berechtigt ist die Frage, ob die Gesamtnatur tatsächlich organisiert ist und man nicht einer Täuschung aufsitzt. Die Chaostheorie ist ja nicht von der Hand zu weisen. (Wetter, Tropfgeschwindigkeit undichter Wasserhähne, die Turbulenzen in einer aufsteigenden Rauchsäule, der menschliche Herzschlag, Bewegung und Weg von Meteoriten und subatomaren Teilchen usf.)

Ganze Systeme können sich zeitweilig chaotisch verhalten und sind dann nicht vorausberechenbar; es kann sich auch ihre Form verändern, nicht jedoch ihr Muster. Es gibt auch übereinstimmende Muster in verschiedenen Systemen. (z. B. Wasserstrudel, Hurrikane. Nur ihre Richtung ist konträr zu einander.)  Der amerikanische Physiker Mitchell Feigenbaum (* 1944) hat dies als erster erkannt. [Feigenbaum-Konstanten] Aber – und das ist für mich der springende Punkt:
»Ein wesentliches Ergebnis der Chaosforschung ist die Entdeckung, dass chaotische Systeme trotz ihres langfristig nicht vorhersagbaren, scheinbar irregulären Verhaltens bestimmte typische Verhaltensmuster zeigen.«
[Quelle: Wikipedia]

Was bleibt, ist ein stets gleiches und mitunter komplexes, hochorganisiertes Muster! Mit anderen Worten: Es bleibt nicht alles dem Zufall überlassen, irgendwelchen unkontrollierten Selbstläufen. Daraus schließe nicht nur ich auf eine «Intelligenz der Natur» bzw. das Synonym «Geist».

Der britische Atrophysiker Sir Arthur Stanley Eddington (1882-1944): »Der Stoff, aus dem das Universum besteht, ist Geiststoff.« Und Sir James Hopwood Jeans (1877-1946), ebenfalls Astronom, sagte, das Universum gleiche mehr einem großen Gedanken als einer großen Maschine. Erwähnt wird außerdem der Kybernetiker David Foster, der – so Marilyn Ferguson – ein «intelligentes Universum» beschrieben habe, „dessen konkretes Erscheinungsbild durch kosmische Daten aus einer nicht erkennbaren organisierten Quelle erzeugt wird. [In: David Bohm u.a.: Das holographische Weltbild, 1986, S. 21]

Es gibt eine ganze Reihe von WissenschaftlerInnen, darunter Carl Friedrich von Weizsäcker, die den Begriff «Geist», Synonym für «Intelligenz», in der Quantenphysik verwenden. Damit ist nicht der „Designer-Gott“ gemeint, der neuerdings bei christlichen Fundamentalisten in den USA auferstanden ist, der alte Schöpfergott, an den niemand mehr recht glauben will. „Designer-Gott“ hört sich ja auch sehr modern an, und wer will denn als altmodisch gelten?!

Geist-Begriff und Intelligenz-Begriff bezeichnen in der Neuen Physik das «Bewegungsprinzip der Materie» [s.o., S. 173 ff.]. Alle Naturprozesse sind Lebensprozesse. Insofern gibt es keine Trennung zwischen belebter und unbelebter Natur. Und wir können das Prinzip der Grundmuster als geistiges Prinzip verstehen.

Von blog.de (08. 03. 2006) übernommen.

Ein Gedanke zu “Die Intelligenz der Natur

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