Wie DIE WELT ihre Leser an der Nase herumführt und dann doch „die Kurve kriegt“

Aus diesem Blatt zitiert ein Andreas in MyHeimat den Titel: „Polizei fordert härteren Umgang mit Nordafrikanern“. Aber schon der nächste Satz relativiert diese – verallgemeinernde – Schlagzeile: „Polizisten verlangen härtere Konsequenzen für Intensivtäter aus Nordafrika.

Der Titel einer Zeitung soll den Inhalt eines Artikels, Interviews etc. charakterisieren. Bei den meisten Lesern beeinflusst der Titel das Leseverhalten, bei vielen bestimmt er es sogar. Und mancher liest nur den Titel und hält sich dann für informiert.

Liest man diesen WELT-Artikel weiter, dann wird man feststellen, dass hier keine Schwarz-weiß-Malerei betrieben, sondern sehr wohl differenziert wird, und noch mehr. Es werden Ursachen für (klein)-kriminelles Verhalten genannt:

Kriminalitätsexperte sieht mangelnde Perspektive als Grund

Kriminalitätsexperte Christian Pfeiffer machte für die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln    die Frustration dieser Gruppe verantwortlich. ´Hochfrustriert, aggressiv, sauer: So verhalten sich Menschen, denen man die Perspektive genommen hat. Das haben wir produziert` sagte Pfeiffer. ´Wir haben ein Zwei-Klassen-System geschaffen. Die Menschen aus Syrien und dem Irak – und die anderen. Erst die Arme ausbreiten, die Leute reinholen und dann sagen: April, April.`

´Wir dürfen aber auch nicht verschweigen, dass wir uns da eine Macho-Kultur ins Land holen`, ergänzte Pfeiffer. Es gebe allerdings erfreuliche Daten: Die Macho-Einstellungen bei den Zuwanderern, die schon länger hier sind, seien deutlich zurückgegangen.“

Wer darüber hinwegliest oder bei der Schlagzeile „Polizei fordert härteren Umgang mit Nordafrikanern“ stehen bleibt und alle Nordafrikaner als Kriminelle abstempelt, leistet sich die typischen Vorurteile oder sieht sich mit seinen Vorurteilen bestätigt, zieht daraus die falschen Schlüsse und schürt schlimmstenfalls den bei vielen Menschen vorhandenen latenten Hass.

Die sozialen Netzwerke sind voll davon. Längere Beiträge werden meistens gar nicht oder  bei abgeschaltetem Verstand gelesen oder nicht reflektiert. Twitter und Facebook verführen gerade dazu.

Wenn man die realen Ursachen, die Kausalzusammenhänge kennt – sie sind zumeist viel komplexer als man anfangs meint –, dann kann man durch sozialpsychologische Maßnahmen erreichen, dass solche Probleme wie die kriminellen Übergriffe der Silvesternacht gar nicht erst entstehen.

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