In jedem Krieg steckt bereits der Keim des nächsten Krieges

Leserbrief an das Medienhaus Bauer, Marl, und an die Frankfurter Rundschau zum Kriegseinsatz der Bundeswehr in Syrien…

Käthe Kollwitz. Krieg.1924
Käthe Kollwitz. Krieg. 1924.

Jetzt ist es schon wieder einmal so weit: Die Bundeswehr soll sich an einem Krieg beteiligen, und fast alle Medien helfen mit, die Zivilbevölkerung darauf einzustimmen. Sollen wir „das Denken den Pferden überlassen“, wie es uns jungen Rekruten ein Feldwebel befahl, 1944 – ?

Wenn ich nicht etwas übersehen habe, sind durch alle Kriege, die seit 1945 von den USA und von europäischen Staaten, Russland einbegriffen, geführt wurden, die geopolitischen Verhältnisse und die Lebensbedingungen der Menschen in den betroffenen Regionen verschlimmert worden, am meisten seit dem Zweiten Golfkrieg (begonnen am 16. Januar 1991).

Frieden ist nirgends in Sicht, Frieden im Sinne von Liberté – Égalité – Fraternité, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Es werden Menschen massenhaft getötet und große Teile der Natur vergiftet und zerstört. Sie werden unbewohnbar gemacht.

Dabei sind noch nicht einmal alle Bomben und Minen aus dem 2. Weltkrieg gefunden und geräumt worden. Zum Beispiel war das Ausmaß der heute in der Ostsee verrottenden und das Meer vergiftenden Munition nur Wenigen bekannt, als ich um 1946 auf dem Flaggschiff der deutschen Minensuchflottille, die mein Vetter kommandiert hat, mitfahren durfte. Er hat bis 1945 im Mittelmeer und nach 45 in der Ostsee Minen gesucht.

Meine Begeisterung für das Militär und alle Kriegstechnik schwand erst im zweiten Krieg, den ich als Soldat erfahren habe: in Vietnam 1951-54.

Diejenigen, die für einen Kriegseinsatz gegen den „IS“ votiert haben werden, können dann vom bequemen Fernsehsessel aus das mörderische Spektakel als spannendes Event erleben und dabei Kartoffelchips knabbern und ein kühles Pils schlucken.
Krieg ist keine Lösung der Probleme, auch nicht der innenpolitischen, sozialen, von denen abgelenkt wird. Und in jedem Krieg steckt bereits der Keim des nächsten Krieges. Profiteure sind – wie eh und je – die Rüstungsproduzenten, Waffenhändler und Aktionäre.

Ich empfehle Claude AnShin Thomas: Krieg beenden, Frieden leben. Ein Soldat überwindet Hass und Gewalt, Berlin 2003 *

* Rezension unter → https://stahlbaumszeitfragenblog.wordpress.com/2015/08/20/die-unsichtbaren-wunden-des-krieges-buchbesprechung/

Am 04. 12. 2015 gekürzt in der Frankfurter Rundschau und am 09. 12.  ungekürzt in den Zeitungen des Medienhauses Bauer, Marl.

Ein Gedanke zu “In jedem Krieg steckt bereits der Keim des nächsten Krieges

  1. „Rücksichtsloser Waffenhandel“: IS kämpft mit deutschen Waffen gegen Zivilisten

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gibt Deutschland und anderen EU-Ländern eine Mitschuld an den Gräueltaten des IS.
    Jahrelange großzügige Waffenlieferungen an den Irak sowie wenig Kontrollen vor Ort haben nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu dem umfangreichen Arsenal der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geführt…
    http://www.focus.de/politik/ausland/ruecksichtsloser-waffenhandel-amnesty-prangert-an-is-kaempft-auch-mit-deutschen-waffen-gegen-zivilisten_id_5138860.html?fbc=fb-shares

    Da greife ich mal in die Klassiker-Kiste:

    „Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.“
    Goethe

    Die ganze Ballade → https://de.wikisource.org/wiki/Der_Zauberlehrling_%281798%29

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