Ostpreußische Junker im NS-Staat

Leserbrief an das Zeitungshaus Bauer, Marl, zu „Die Flucht“, Leserbrief von Dr. Harms, 8. März 2007:

Es ist wichtig, auf die Ursachen hinzuweisen, die schließlich dazu geführt haben, dass auch wir Ostpreußen gezwungen waren, unsere Heimat zu verlassen, um unser nacktes Leben zu retten. Dr. Harms deutet es an: Die Kausalkette, die Kette von Ursachen und deren Wirkung, reicht tief in die deutsche Geschichte hinein.
Ich habe selber als Siebzehnjähriger gesehen – ich muss sagen: unkritisch wahrgenommen, dass der ostpreußische Adel in den Nationalsozialismus ebenso verstrickt war wie das Bürgertum, und erinnere mich an eine junge Baroness, die HJ-Führer auf das Rittergut ihrer Schwiegereltern geladen hatte, um den „Heldentod“ ihres Mannes zu feiern. Ein Leutnant war es gewesen, kaum viel älter als wir, ein ehemaliger Mitschüler, ein paar Klassen über uns. Die junge Soldatenwitwe führte uns zu einem eigens für diese Feier errichteten Hausaltar, und stolz zeigte sie uns alles, was sich darauf befand: Briefe, Fotos, Uniformstücke und Orden.
„Er ist für den Führer gefallen“, sagte sie. Der Stolz hatte ihre Trauer verdrängt. Mich hat dieses Erlebnis in meinem Glauben an „Führer, Volk und Vaterland“ bestärkt. Erst nach 45 wurden mir die Augen geöffnet – von jüdischen Emigranten, die nach Deutschland zurückgekehrt waren, Sozialdemokraten und Kommunisten…

Am 14. 03. 2007 in den Zeitungen des Medienhauses Bauer veröffentlicht.

Von blog.de (08. 03. 2007) übernommen.

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