24. Dezember 1960. Gedicht

24. Dezember 1960

Was bin ich heute?
Clochard, gehe vorüber!
Musik,
hinter Fenstern. Stimmen, Gebete
aus einer verschütten Welt.
Schreie? Oder Gelächter?
Wer singt: Engel? Menschen?
Man hat mir zu essen geben.
Ich habe keinen Hunger.
Man hat mich an einen Ofen gerufen.
Da friere ich nur.
Heute muss man doch fröhlich sein.
Auch das hat man gesagt.
Das Brot warf ich den Vögeln hin.
Die Flasche zerschlug ich an einem Stein.
Ich habe roten Schnee gesehn.
Was ich besitze, ist zu gering.
Was ich nicht besitze, ist zu kostbar für mich,
und meine Füße sind wund.

© Dietrich Stahlbaum 1960

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