In der Bibel steht alles Mögliche. (Leserbrief)

…an das Medienhaus Bauer, Marl zu: „“Die Bibel bezieht eindeutig Position gegen jegliche Form der Homosexualität““ – vom: 23. Juni:

In der Bibel steht alles Mögliche. Da wird Homosexuellen sogar die Todesstrafe angedroht: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.“ (3. Mose 20,13, Lutherbibel 1912) Auch dies: „Wenn ein Mann eine Frau geheiratet und mit ihr Verkehr gehabt hat, sie aber später nicht mehr liebt und ihr Anrüchiges vorwirft, sie in Verruf bringt und behauptet: Diese Frau habe ich geheiratet, aber als ich mich ihr nä¬herte, entdeckte ich, dass sie nicht mehr unberührt war! […] Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich keine Beweisstücke für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man das Mädchen hinausführen und vor die Tür ihres Vaterhauses bringen. Dann sollen die Männer ihrer Stadt sie steinigen und sie soll sterben…“ [Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium) 22,13 ff.]

Selbstjustiz, kurzer Prozess. Wer sich in die Bibel hineinliest, wird auf weitere Grausamkeiten stoßen, die Menschen angedroht werden, wenn sie den Anweisungen „von oben“ nicht folgen. Mit Bibeltexten sind von Laien und Geistlichen die schlimmsten Verbrechen begründet und gerechtfertigt worden – mit „Gottes Wort“. Die Bibel ist Fiktion, Erfindung, Menschenwort. Sie wird auch heute benutzt, um Menschen schon im Kindesalter hörig und gefügig zu machen und Machtinteressen leichter durchsetzen zu können. Hierzu eine beachtungswerte Äußerung des Dalai Lama: „Alle Religionen und alle Heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotential in sich. Deshalb brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.“ [Quelle: „Der Appell des DALAI LAMA an die Welt. Ethik ist wichtiger als Religion“, 2015.]

Am 11. Juli in den Zeitungen des Medienhauses Bauer veröffentlicht.

Kommentare

Echsenwut:

Hmmm …. mit Zitaten vom Dalai Lama wäre ich beim Thema „Gewalt“ sehr, sehr vorsichtig. Im heutigen Buddhismus verbergen (!) sich ganz ungeheuerliche, schier unglaublich brutale und blutige Endzeits- und Weltherrschaftsvisionen – deren erklärtes Ziel die vollständige Auslöschung bestimmter Ethnien und ganzer Religionen ist. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Dalai Lama selbst die Schwierigkeit erkennt, diese Visionen ganz offen zu vertreten und viel lieber totschweigt. Es gibt Fragen in Interviews mit ihm, die DÜRFEN nicht gestellt werden. Und das hat Gründe.

Thufir Hawat aus Dorsten:

Ein wirklich wertvoller Beitrag. Und meiner Meinung nach sollten wir wirklich in der Richtung denken, die schon Buddha uns vorgegeben hat:

„Glaubt den Schriften nicht, glaubt den Lehrern nicht, glaubt auch mir nicht. Glaubt nur das, was ihr selbst sorgfältig geprüft und als euch selbst und zum Wohle dienend anerkannt habt.“

Buddha möchte uns anstiften, selbst darüber zu reflektieren, ob unser Handeln zum Wohle aller Beteiligten ausfällt. Selbst im Voraus zu erkennen, was uns und/oder unseren Nächsten verletzen oder im seine Würde rauben könnte.  Leider stellt sich fast jede religiöse Lehre als die „allein-seligmachende Weisheit“ hin und verlangt, dass die Gläubigen sie als ein Dogma akzeptieren und ihr Leben nach diesem Dogma ausrichten. Viele Verirrungen eines lokalen Zeitgeistes werden so, nur weil sie in irgendeiner Form seit mehreren tausend Jahren überliefert werden, zum ubiquitären Gesetz, in dessen Namen gemordet und unterdrückt wird. Die meisten religiösen Lehren sollen dem Menschen das Denken selbst abnehmen. Man braucht (auch heute noch) keine denkenden Menschen, die dazu in der Lage sind, selbst zu entscheiden, was falsch und was richtig ist. Denn dann könnten die Menschen auch entscheiden, ob die, die über die Menschen herrschen (oder die, die „für sie“ regieren) falsch oder richtig handeln. Man entmündigt die Menschen also mit einem dogmatischen Codex (oder mit der bewussten Steuerung von Aufmerksamkeit und Verwirrung über die Medien), um über Handlungen und Entscheidungen der „Obrigkeit“ einen Schleier legen zu können.So trifft man allenthalben, vor allem im Netz, auf Leute, die sich nicht entblöden zu behaupten, dass Dinge, die ganz offensichtlich nicht haltbar sind (wie zum Beispiel das sogenannte Recht, (Ehe-)Frauen zu schlagen, nur weil sie nicht zum Sex bereit sind), von irgendeiner Stelle irgendeiner heiligen Schrift zu „gültigem Recht“ gemacht werden.

Solche Leute glauben offenbar, sie würden auch im (ethischen) Verbrechen richtig handeln, nur weil ihr Handeln von irgendeinem Dogma (oder einer wenn auch noch so umstrittenen Interpretation desselben) „abgesegnet“ wird. Kein Schriftstück und keine Meinung der Welt kann jemandem das Recht dazu geben, einen anderen Menschen zu verletzen oder ihn in seiner Würde oder seinen Rechten einzuschränken, ganz gleich, welche persönlichen Präferenzen ein Mensch hat.

Verletzt man, ganz gleich auf welche Art, so macht man sich schuldig. Punkt. Dies ist im Endeffekt das einzige Dogma, das wirklich Gültigkeit und Bestand hat. Alles andere sind nur Ausreden für eigene Charakterschwächen.

[Aus: lokalkompass Recklinghausen]

Gerd-Frederic Lummerzheim:

Hm, Herr Stahlbaum… Sie kommentieren auch auf der Facebook-Seite der „Die Linke – LAG Laizismus NRW“, und breiten da Ihr Wissen aus. Gerne hätte ich Ihnen dort erklärt, was Sie wissen möchten, aber, obwohl ich Mitgründer der „Die Linke – LAG Laizismus NRW“ bin, wurde ich, wie Sie wissen, am Gründungstag vom heutigen Sprecher der Linken NRW, mundtot gemacht. Schade, gerne hätte ich Ihnen ausführlich all Ihre Fragen beantwortet. Laizisten wollen keine Auseinandersetzung, keine Informationen, damit sie immer wieder nachfragen können… und solche „Leserbriefe“ produzieren? Na, vielleicht wird es noch was…

Dietrich Stahlbaum:

Wo ist das Problem? Ich hatte von einem Konflikt mit dem heutigen Sprecher der Linken NRW noch nichts gehört und nichts darüber gelesen. Ich würde da auch nicht gleich pauschalisieren…

Dietrich Stahlbaum:

»Der Appell des Dalai Lama an die Welt. Ethik ist wichtiger als Religion« ist am 1. Juni als Buch erschienen. Mehr hierzu:

Neues Buch anlässlich des 80. Geburtstag des Dalai Lama:

Franz Alt interviewte das geistliche Oberhaupt der Tibeter .• Erster Titel des Benevento Verlages • Kostenlos als eBook in 8 Weltsprachen…

Ich weiß nicht, was dem Dalai Lama konkret angelastet wird, und kann mir denken, dass er nicht nur Freunde hat. Aber ich weiß aus eigener bitterer Erfahrung, dass ein Mensch sich und seine Ansichten radikal ändern kann. Deshalb ist für mich entscheidend, wo man heute steht, was man denkt, tut und unterlässt.

Seit einigen Wochen kenne ich einen jungen Tamilen aus Sri Lanka. Er ist Muslim und mit seiner Familie nach Deutschland geflohen, weil er in seiner Heimat verfolgt worden ist – von, wie es heißt, „radikalen Buddhisten“. Wir haben darüber gesprochen. Auch er ist davon überzeugt, dass diese Menschen keine Buddhisten sein können. Er hat Freunde in Sri Lanka, die sich nicht nur Buddhisten nennen, und Atheisten als Freunde.

Besonders verwerflich ist, dass die Lehrreden und Gespräche des Gotama Buddha ausgerechnet dort, wo sie zum ersten Mal aufgezeichnet worden sind, so missachtet werden: im heutigen Sri Lanka.

Der ursprüngliche Buddhismus ist keine Religion. Der Buddha hat sogar bezweifelt, dass seine Lehre lange Bestand haben würde.

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