GLOBALISIERUNG. Begriff und Geschichte

„Unter «GLOBALISIERUNG» versteht man die Zunahme internationaler Wirtschaftsbeziehungen und -Verflechtungen und das Zusammenwachsen von Märkten für Güter und Dienstleistungen über die Grenzen einzelner Staaten hinaus, wobei internationale Kapitalströme und die Diffusion neuer Technologien eine große Rolle spielen. (…) Neben der seit langem zunehmenden Integration des Welthandels für fertige Produkte kommt es zu einer verstärkten Integration und grenzüberschreitenden Organisation der Produktion und der produktionsnahen Dienstleistungen. Die Absatzmärkte werden global, so allerdings auch die Konkurrenzsituation.“

Dies ist eine allgemein gängige Definition aus Lexas Information Network, scheinbar objektiv, wertfrei, eine wissenschaftliche Definition. Globalisierung als ein ökonomischer Prozess. Der übliche Reduktionismus * unserer westlichen Wissenschaft. Denn Globalisierung bedeutet mehr und noch vieles andere. Franz-Johannes Litsch hat es sehr eindrucksvoll beschrieben.** Aber das interessiert diejenigen, die die ökonomische Globalisierung betreiben und am meisten davon profitieren, am wenigsten.

Betrachten wir doch einmal diese materielle Seite der Globalisierung! Schauen wir genau hin! Was passiert denn da? Oder –  was ist da schon alles passiert? Was hängt womit zusammen?
Nach meiner Auffassung ist die ökonomische Globalisierung, wie sie jetzt stattfindet, eine Fortsetzung des Kolonialismus mit noch wirksameren Methoden. Ein Neokolonialismus, deren Folgen weit katastrophaler sind als die des alten Kolonialismus, der im Altertum verhältnismäßig friedlich begann, als Phönizier etwa 1000 Jahre v. u. Zr. die ersten Pflanzstädte im Mittelmeerraum gründeten, Karthago z. B. Alles andere als friedlich waren dann die Raub- und Eroberungszüge im so genannten Zeitalter der Entdeckungen, dem 15.-17. Jh., beginnend mit der Landung des Kolumbus im Jahre 1492 in Amerika:

Die Eroberung der Amerikas (Nord-, Süd-, Mittel-A.) vollzog sich „in einer ausgeprägten Conquistamentalität, die über die Ureinwohner ungeheures Leid gebracht hat“, schrieb der Franziskanerpater Andreas Müller OFM in einer Gedenkschrift zu den Kolumbus-Jubelfeiern im Jahre 1992.

„Ganze Völker wurden ausgerottet, Kulturen zerstört, und bis heute gehören die Nachkommen der großen Kulturvölker der Indianer zu den meist recht- und schutzlosen Randsiedlern der Gesellschaft.“ ***  Teile der heutigen USA waren einmal Kolonien: Englands. Und es gab den Sklavenhandel in den USA, den Handel mit Menschen, bis 1862.

Europäer waren es, die fortan einen Kontinent nach dem andern ausgeplündert und ihre Völker enteignet haben. Auch das deutsche Kaiserreich war daran beteiligt, konnte jedoch mit den großen Kolonialmächten (Frankreich, England, Spanien, Portugal) nicht mithalten und verlor 1918 ihren ebenfalls unrechtmäßig erworbenen Kolonialbesitz.

Die rasante Industrialisierung in Europa und in den USA, die moderne Technik, der Reichtum, fast alles, was auch heute unseren materiellen Wohlstand ausmacht, wäre ohne die Sklavenarbeit indigener Völker und ohne die Rohstoffe, die Lebensmittel, die Genussmittel, ohne das Raubgut aus den Kolonien nicht möglich gewesen.

Die Kolonialherrschaft der Europäer wurde in den 60er Jahren beendet; geblieben ist ein Kolonialismus, der unter dem Namen «GLOBALISIERUNG» als ein Segen für alle Menschen angepriesen wird.

Wir sollten uns aber fragen, ob wir nicht auch Nutznießer/innen dieser Globalisierung sind, ob uns das Elend, das sich über den ganzen Planeten ausbreitet, kalt lässt und ob wir das Gewaltpotenzial in uns selber nicht umwandeln müssen in heilsame Energie.
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* «Reduktionismus», philosph. Begriff, der eine Wissenschaft bezeichnet, die seit Newton und Descartes komplexe, multikausale Zusammenhänge ignoriert und alle Phänomene, alles Geschehen auf eine einfache Ursache-Wirkung-Linie zurückführt (reduziert).
** Siehe F-J. Litsch: Buddhismus und Globalisierung
→  http://www.buddhanetz.org/texte/globalisierung.htm
***  Aus: 500 Jahre Indiowiderstand. 500 Jahre Evangelisierung in Lateinamerika. Hsg. Missionszentrale d. Franziskaner, Bonn 1990

Von blog.de (03. 06. 2009) übernommen.

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