Den Nahost- / Mittelost-Konflikt beenden! Aber wie?

Schon wenn man sich selber einredet, es habe ja keinen Zweck, sich zu engagieren und mit anderen gegen den Mainstream anzugehen, trägt man dazu bei, dass sich nichts ändert. Die Freiheit des Menschen besteht aber darin, gegen den Strom zu schwimmen, gegen den Strich zu bürsten, dennoch zu tun, was Not tut.

Solch ein Konflikt hat von einem bestimmten Stadium an seine eigene Dynamik – wie der Amoklauf, und wir wissen nicht, ob die Kontrahenten aufzuhalten sind. Wir sprechen von einem „Nahost-Konflikt“. In Israel bezieht man Iran, Afghanistan, Irak mit ein und spricht von einem Mittelost-Konflikt. D. h. es handelt sich um mehrere Brandherde, die zusammengesehen und zusammen bekämpft werden müssen, damit sie sich nicht zu einem Flächenbrand, der schließlich Europa erfasst, auswachsen. Mit militärischen Mitteln sind diese Brandherde nicht zu löschen. Hass, Rachsucht, Hab- und Machtgier auf allen Seiten fachen das Feuer immer wieder von neuem an. Es ist ein psychopathologisches Problem.
Sollten wir deshalb den Ereignissen ihren Lauf lassen? Geschickte, beharrliche Diplomatie und der moralische Druck aus den (mehr und den weniger betroffenen) Bevölkerungen können letztendlich zur Einsicht und Beendigung des selbstzerstörerischen Krieges führen. Der Indochinakrieg und der US-Vietnamkrieg sind Beispiele dafür, dass massiver Widerstand im eigenen Lager der Politik wieder auf die Sprünge helfen kann. Manchmal dauert es Jahre, bis es so weit ist. Heute umarmen die letzten französischen und amerikanischen Kriegsveteranen die vietnamesischen.

Siehe auch die Seiten »Pazifismus« und »Gewalt/-freiheit« im
ZEITFRAGENFORUM  →  http://www.dietrichstahlbaum.de

Weiterhin aktuell, deshalb von blog.de (11. 08. 2006) übernommen.

Hierzu ein Kommentar von

Der Vietnamkrieg war ein sehr beeindruckendes Beispiel für internationale Solidarität der Menschen, die ein Ende des Krieges herbeisehnten.

Der Irakkrieg lockte wiederum an vielen Orten Menschen auf die Straße, aber bei weitem entstand daraus nicht eine solche große Bewegung, wie sie zur Zeit der „Flower-Power“- und der Hippie-Bewegung (Love and Peace) stattfand.

Nur der Krieg in Gaza bewegt scheinbar keinen Menschen mit Ausnahme einiger weniger.

Woran liegt das?

Ich glaube, diese lange Dauer des jahrzehntelangen Dauerkrisenherdes lässt die Menschen, die nicht unmittelbar von der Gewalt dort betroffen sind, abstumpfen.

Es ist einfach nichts neues mehr, dass im Gaza-Streifen oder Palästina, im Libanon oder sonst wo in dieser Region Bomben fallen. Die fallen jeden Tag, jetzt einige mehr.

Das ist sehr traurig. Man hat sich als Beobachter an die Gewalt dort gewöhnt. Wenn es einmal mehrere Monate oder gar ein Jahr lang ruhig ist, rechnet man damit, dass „es bald wieder knallen muss“.

Außerdem sind wir ganz weit weg von dem Kriegsgeschehen und sowieso nicht mit beteiligt. Anders wäre es, wenn die USA oder andere westliche Staaten irgendwo in den Krieg ziehen würden. Dann sind es plötzlich wieder „wir“, die da kämpfen, leiden und fallen. Aber so? So sind es Araber und Juden, die sich sowieso schon seit Generationen die Köpfe einschlagen, also ganz weit weg von uns.

Wir haben eine Wegschau-Mentalität geradezu kultiviert. Es betrifft uns nicht, also interessiert es uns nicht.

Aber trotz allem dürfen wir nicht vergessen, dass es Menschen sind, die dort sterben. Muslime und Juden. Es sind Kinder, Frauen und Alte, die ihr Leben lassen, die berühmten „Kollateralschäden“ eben.

Wir schreien entrüstet auf, wenn ein UN-Gebäude getroffen wird und drei westliche Journalisten verletzt. Plötzlich sind wir wieder mit drin im Boot.

Solange es eine jüdisch-muslimische Angelegenheit bleibt, ist unser Interesse äußerst periphär.

Das traurige daran ist, dass angesichts dieser „Normalität“ von Gewalt in dieser Region niemand mehr wirklich dagegen aufstehen will. Man hält es für müßig („Nützt ja doch nix…“).

Nun sind wir dem „Wie“ in deiner Frage noch immer keinen Schritt näher gekommen, Dietrich. Aber es ist eine Antwort auf das „Warum“, welches das „Wie“ nicht lösen kann.

Liebe Grüße Sigrun

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