Fremdwörter 5/5: „cool“. Kinder und Jugendliche

Wenn Kinder und Jugendliche alles, was sie besonders gut finden, auch Menschen, die sie bewundern, alles, wofür sie sich begeistern und erwärmen, als “cool“ bezeichnen, dann ist das zuerst einmal Jargon bzw. slang wie z. B. die Prädikate super oder spitze, die dasselbe bedeuten, nämlich großartig, hervorragend, bestens u. dgl. Es sind Sprechblasen aus der Comicsprache. Bei cool wird die ursprüngliche Wortbedeutung umgekehrt, unbewusst.

Kinder und Jugendliche haben einen verhältnismäßig kleinen Wortschatz. Sie verständigen sich mit wenigen Worten, die sie alle kennen und anwenden. Das ist ganz normal. Sie stehen am Anfang oder mitten in der Sprachentwicklung. Infantil wird ihre Sprache erst, wenn sie sie nicht weiterentwickeln und ausweiten können. Wenn sie, weil niemand sie dazu anregt, nicht lernen können, ihre Empfindungen adäquat zum Ausdruck, alle ihre Gefühle zum Sprechen zu bringen und ihre Befindlichkeiten genau zu beschreiben, kurz: sich zu artikulieren.

Unter dem Mangel an Ausdrucksfähigkeit leidet die Kommunikation. Konflikte können nicht verbal gelöst werden. Man versteht auf einmal einander nicht mehr und schlägt zu oder wird geschlagen. Rohe Gewalt ersetzt Worte, die Missverständnisse ausräumen, Differenzen beseitigen und zu friedlichen Lösungen führen könnten.

Soziologen und Soziopsychologen sprechen heute von einer »infantilen Gesellschaft«. Wie nahe sie damit an der Wahrheit sind, zeigt unsere Alltagssprache. Sie wird von primitivster Werbung geprägt, von TV-Sendungen und von der Regenbogenpresse, von einer Fast-Food- und Schmalkost-Sprache, die mit lauter, zumeist verstümmelten Anglizismen gespickt ist, auch mit Wortkrüppeln deutscher Herkunft. In diese Gesellschaft wächst unsere Jugend hinein.

Hier wären Sprachkritik, Sprachpflege und Sprachförderung anzusetzen. Mit „PRALLKISSEN“ für Airbag und „KLAPPRECHNER“ für LAPTOP und das NOTEBOOK oder mit einem derzeit gesuchten deutschen Wort für BRAINSTORMING ist es nicht getan. [Siehe Stiftung deutsche Sprache: → http://www.stiftung-deutsche-sprache.de/wdm.php ]

Kinder und Jugendliche, ich vermute, die meisten von ihnen, leben heute in der virtuellen Welt der Computer- und Handyspiele und in der TV-Bilderwelt. Sie sind passive Konsumenten einer Pseudokultur. Sie sind dazu gemacht worden. [Sie sind auch der Natur entfremdet worden. Aber das ist ein anders Thema.] Deshalb kann nicht früh genug damit begonnen werden, sie an Literatur heranzuführen und, wie einst in den Rhetorikschulen der Antike, sie perfekt sprechen zu lehren.

In Frankreich hat oder hatte (Ich bin da nicht mehr ganz „auf dem Laufenden“) in der Bevölkerung Literatur * einen sehr hohen Stellenwert. L`écrivain, der Autor, die Autorin, rangier(t)en gleich hinter dem Staatspräsidenten. Dies erklärt, weshalb man sich hier um die Erhaltung der französischen Sprache besonders kümmert. Nationalismus kann es nicht sein, denn es gibt heute, Jahrzehnte nach Ende der Kolonialherrschaft, eine Reihe bedeutender Autoren und Autorinnen aus Algerien, Marokko und aus dem Senegal, die ein hervorragendes Französisch schreiben und in ganz Frankreich anerkannt sind. Eine gemeinsame Sprache verbindet.

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* Es ist noch nicht lange her, dass in Frankreich die Alltagssprache mit allen ihren Idiomen in die „Hoch“literatur übernommen wurde.

Von blog.de (15. 05. 2006) übernommen.

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