«Meudalismus» – Warum es so ist, wie es ist

Der Feudalismus ist seit langem abgeschafft, und mit ihm – erst 1919 – der Adelsstand, jedenfalls in Deutschland (Weimarer Verfassung). Eine andere Art von Adel hat ihn ersetzt: der Geld“adel“. Das System, das so entstanden ist: «Meudalismus». Wird auch er abzuschaffen sein?
Das bezweifle ich. Denn, anders als in feudalen Zeiten, als das „gemeine Volk“, zwischen Anbetung und Angst, sich „dem von Gott gegebenen Schicksal“ unterworfen hat, bis es, angeführt vom aufgeklärten Bürgertum, die Feudalherrschaft beendete, identifizieren sich heute zig Millionen Deutsche mit diesem Geld“adel“, malen Woche für Woche Lottozahlen auf einen Zettel und träumen vom „großen Glück“. Schon der Anreiz zu gewinnen, hält sie bei der Stange und verdrängt jeden Gedanken an eine Revolution.
Das Übrige tun die Medien, in erster Linie das Fernsehen und die bunten Magazine; sie sorgen dafür, dass der Bürger, die Bürgerin die Illusion hat, an dem Reichtum der Wenigen teilzuhaben. In solcher Ersatzwelt leben auch Menschen, die sich gerade noch einen Fernsehapparat leisten können.

Andere, denen es besser geht, lassen sich von der Konsumwerbung verführen; sie versuchen, so zu leben, wie es der Geld“adel“ tut – in verkleinertem Maßstab. In den 60er Jahren war es der „Gelsenkirchener Barock“, eine Nachahmung feudalen Lebensstils. Es waren Möbelstücke. Heute sind es breit ausladende Sitz- und Schlafgelegenheiten und Fahrzeuge, deren PS-Zahl in keinem Verhältnis zum wirklichen Einkommen steht; sie sind mindestens eine Nummer zu groß, so groß wie das Bedürfnis nach Ansehen, Geltung, Macht, und meistens nicht einmal bezahlt, sondern – wie es so schön denglisch heißt – geleast. Auf Pump, sagte man früher.
Alle diese Menschen sind die beste Gewähr dafür, dass das System bleibt, wie es ist, einstweilen. Marx schrieb, der Leidensdruck der Volksmassen müsse erst so stark sein, dass sie ihn nicht mehr ertragen können und sich dagegen wehren. Die Volksmassen werden heute so manipuliert, dass sie stets genug Dampf ablassen können.

Die Zahlen, die Statistiken ändern sich mit der Zeit, aber DAS KAPITAL bleibt aktuell. Es muss nur fortgeschrieben werden. Ebenso aktuell sind die folgenden Sätze:
»Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, daß ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben, also als Kapital für uns existiert oder von uns unmittelbar besessen, gegessen, getrunken, an unsrem Leib getragen, von uns bewohnt etc., kurz, gebraucht wird. (…) An die Stelle aller physischen und geistigen Sinne ist daher die einfache Entfremdung aller dieser Sinne, der Sinn des Habens getreten. Auf diese absolute Armut musste das menschliche Wesen reduziert werden, damit es seinen inneren Reichtum aus sich herausgebäre.« *

Worte, die uns an Buddha und Jesus erinnern können. Aber sind dies nicht auch die tieferen Ursachen für das Scheitern des realexistierenden Sozialismus?
Gotama Buddha: »Nicht weicht das Sorgen, Klagen und die Habsucht von denen, die nach Eigentum begierig.« **
Jesus: »Sehet zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.« ***
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* Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, In: MEW, Erg.-Bd. T.1., S.540
** Sutta-Nipata Frühbuddhistische Lehrdichtungen aus dem Pali-Kanon, neu übersetzt von Nyanaponika, 1996³
*** Lukas 12, 15

S. a. Ursachen für das Scheitern des Sozialismushttp://www.mx-action.de/dietrich/Einleitung_und_Themen/Politik/politik.html#Scheitern%20des%20Sozialismus

Von blog.de (26. 05. 2008) übernommen.

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