Vom Schlachten, Schächten und von Tieropfern

Ich habe als Kind und Heranwachsender das Schlachten von Tieren als eine brutale und grausame Prozedur erlebt, zwischen 1930 und 1948, auf einem Landgut einer Großtante, einer mehr oder minder gläubigen Christin.
Mit einem Schlag auf den Kopf wurden die Rinder und Schweine betäubt, dann wurde mit einem Stich die Halsschlagader geöffnet, und die Tiere verbluteten. Das Blut wurde in Eimern aufgefangen und dabei mit der Hand umgerührt, damit es nicht gerinnt. Aus einem Teil davon wurde eine – ich gestehe – sehr schmackhafte Suppe gekocht: die Blutsuppe. Der andere Teil wurde verwurstet. War diese Methode „humaner“, als es das Schächten ist? Diese Frage kann ich nicht beantworten.

Rabbiner Pinchas Paul Biberfeld schreibt dazu: „Das Schächtgebot ist ein äußerst humanes, das Leid des Tieres schonendes Verfahren. (…) Eine hygienische Nebenwirkung: Durch den Arterienschnitt spritzt das arterielle Blut mit großem Druck ins Freie, das Fleisch wird dadurch gründlich entblutet und sein vorzeitiges Verderben verhütet.“

Und Rabbiner Dr. Israel Meir Levinger: „Auch das Leben eines Tieres hat eine große Bedeutung im Judentum. Es gibt eine Reihe von Gesetzen in der Tora, im Talmud oder den nachtalmudischen Kodizes, die den Tierschutz zum Gegenstand haben. Die strengen Vorschriften des Schächtens stehen ebenfalls im Zeichen des Tierschutzes. (…) Die Fleischqualität ist nach dem Schächten besonders gut, weil das Tier wegen des Weiterfunktionierens des Herzens optimal ausblutet.“
[Aus: Die Jüdische Schlachtmethode — das Schächten →   http://www.hagalil.com/judentum/koscher/schaechten.htm ]

Ich finde, das Schächten gehört zu den religiösen Sitten und Gebräuchen, die sicherlich einmal sinnvoll gewesen sind – für Völker, die in Wüsten und anderen Gebieten lebten, in denen die geschlachteten Tiere großer Hitze ausgesetzt waren. Das könnte dort, wo es keine Kühlanlagen gibt, auch heute durchaus hygienischer sein.

Bei uns in Europa ist das Schächten ohne elektrische Betäubung ebenso wie der Stierkampf eine archaische und daher anachronistische Sitte, unter denen die Tiere zu leiden haben. Ob und wieviel Schmerzen sie dabei empfinden, können wir sie nicht fragen. Unsere Gesundheit ist durch den Genuss des Blutes sicherlich nicht gefährdet.

Rituelles Schlachten wie das Schächten ist eine Form des Tieropfers.

Tieropfer waren einst üblich, um die Götter gnädig zu stimmen. So war rituelles Töten von Tieren z. B. auch im alten Indien gang und gebe. Und es ist nach H. W. Schumann “eine Kulturleistung des Buddhismus (…), dass die rituelle Tötung von Lebewesen“ (seinerzeit auch Menschen) „in Indien nicht mehr zu den Standardbräuchen gehört und Tieropfer heute nur noch in Bengalen anzutreffen sind, wo die Hindu-Göttin Kãlĩ (Die Schwarze) sie angeblich verlangt.
Tiere galten dem Buddha als vollwertige Mitwesen, und seine Liebe (mettã) und sein Mitleid (kuraņã) richteten sich auf sie nicht minder als auf Menschen.“
Hans Wolfgang Schumann: Der historische Buddha, München 1995, 4. Aufl., S. 96 f.

Es gibt überlieferte Texte, die bezeugen, mit welcher Entschiedenheit und Intelligenz der Buddha der rituellen Tötung entgegentrat – mit Erfolg. So konnte er den König Pasenadi von Kosala, als dieser die Opferung von je fünfhundert Stieren, Ochsen, Kühen, Ziegen und Schafsböcken anordnete und vorbereiten ließ, davon überzeugen, dass weder Tier- noch Menschenopfer Nutzen bringen. [Samyuttanikãja 3,1,9]
Ebenso konnte er die Brahmanen davon abbringen, am Ritus der Schlachtopferung festzuhalten und dafür sogar Honorare einzustreichen. [Dĩghanikãya 5,22-27 u. Suttanipãta 299-313]
Ein Vergleich mit dem Jainismus, von dem der Buddha wahrscheinlich vieles übernommen hat, kann hier → http://www.dietrichstahlbaum.de (Seite «Buddhismus») abgerufen werden.

Von blog.de (28. 11. 2006) übernommen.

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