Tierquälerei

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tierquälerei in unserem „christlichen Abendland“ und in anderen Teilen der Welt, deren Ausmaße das Schächten weit übertreffen: die Massentierhaltung und die Schlachttiertransporte kreuz und quer durch Europa, sowie die Tierversuche, die durch andere Testmethoden ersetzt werden können.

Die Massentierhaltung, die übrigens auch zur globalen Erwärmung beiträgt, für die große Teile des Regenwaldes geopfert wurden und weiterhin werden, sei notwendig, heißt es, um den enormen Fleischbedarf der Menschheit zu befriedigen, notwendig im Kampf gegen den Hunger. Das ist ein vorgeschobener Grund, der über den übermäßigen Fleischkonsum und die Verschwendung hinwegtäuschen soll.

«Fleisch gilt seit etwa 100 Jahren als unser Hauptnahrungsmittel, obwohl längst erwiesen ist, dass es, im Übermaß genossen, unserer Gesundheit schadet, nicht weniger als Tabak und Alkohol. Auch Fleisch macht süchtig. Wir verbrauchen es im Übermaß.
In der Bundesrepublik sind es, pro Kopf/pro Jahr gerechnet, 90 Kilogramm!
Das Steak, das Schnitzel, die Salami auf unserem Teller stammt zumeist aus einer Agrarfabrik von einem Tier, dessen Futter hauptsächlich aus der so genannten Dritten Welt billig importiert worden ist. Soja zum Beispiel.
Soja kommt vor allem aus Brasilien. Soja ist ein hochwertiges Lebensmittel. Sie enthält mehr Nährkraft und mehr Nährstoffe als dieselbe Menge Fleisch. Mit Soja, d. h. auch mit Verzicht auf so viel Fleisch, wie wir verbrauchen, könnte dem Hunger in der Welt wirksam begegnet werden.
Auf der Soja-Anbaufläche in Brasilien wächst Kraftfutter für 40 Millionen europäische Schweine. Auf dieser Fläche könnte mit Soja, Schwarzbohnen, Mais und Getreide Pflanzennahrung für 35 bis 59 Millionen Brasilianer angebaut werden.* Dabei verlangt niemand von uns, so viel Fleisch zu verbrauchen, wie wir es tun.

Ein anderer Aspekt ist der ökologische.

In Brasilien wird durch den – monokulturellen – Soja-Anbau, für den auch Regenwald abgeholzt, niedergebrannt, gerodet wird, fruchtbarer Mutterboden zerstört, nachdem er durch Kunstdünger und Pestizide vergiftet worden ist. Die Folgen sind Versteppung und Versandung: Wüsten, die mit dazu beitragen, die Klimakatastrophe zu beschleunigen.
In Europa, wo in fabrikartigen Großställen zusammengepferchte Tiere brasilianische Soja, Getreide und andere Futtermittel aus der so genannten Dritten Welt fressen, wird der Mutterboden und werden Gewässer u. a. durch das, was diese Tiere ausscheiden, vergiftet, besonders durch die Gülle. Ihr entweicht auch das Ozon schädigende Methan.

Das Fleisch, das wir zum Leben gar nicht benötigen, stammt zumeist von Tieren, die ohne Medikamente, deren Rückstände wir mit verzehren, nicht leben können. Und was der Metzger noch dazutut, das sollten Sie ihn mal fragen.*

Denken wir auch an den enormen Energieverbrauch beim Futteranbau und bei der Ernte, beim Futtertransport aus der so genannten Dritten Welt in die europäischen Massentierställe, beim Transport der Tiere zum Schlachthof, bei der Fleischverarbeitung, der Verpackung und beim Transport der Fleisch“produkte“ zum Supermarkt, bei der Lagerung und so weiter…
Der Fleischkonsum ist nur ein Beispiel für unsere ökologische Mitverantwortung als Verbraucher, als Verbraucherinnen.
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* Eine Ausnahme macht Fleischwurst. Was Fleischwurst ist, das erfuhren wir kürzlich von einem Lebensmittelchemiker, der nicht nur in Labors, sondern auch in der Nahrungsmittelproduktion gearbeitet hat: mit Hilfe von Chemikalien „schnittfest gemachtes Wasser!“»

[Aus meinem Vortrag KONSUM UND VERANTWORTUNG FÜR UNSERE NATÜRLICHE MITWELT aus dem Jahre 1989. Siehe Seite ÖKOLOGIE im ZEITFRAGENFORUM → http://www.dietrichstahlbaum.de/ ]

Vor etwa 25 Jahren besuchte wir Verwandte in Schleswig Holstein, die, aus Pommern geflüchtet, einen Bauernhof übernommen hatten. Mir war schon beim Betreten des Hofes der flache, riesige Stall aufgefallen. Er passte so gar nicht zu der traditionellen Architektur eines holsteinischen Bauernhofes.
Ich stellte mich dumm und fragte, was das für ein Gebäude sei und erfuhr: ein Hühnerstall. „Vorher hatten wir Schweine, aber die Schweinehaltung bringt nichts mehr. Deshalb haben wir jetzt Legehennen.“
Die Bäuerin, eine entfernte Kusine von mir, wusste, dass ich aktiver Grüner war. Und ehe ich meinen Kommentar abgeben konnte, sagte sie: „Den Hühnern geht es besser als den Kassiererinnen bei ALDI.“
Ich war baff. „Kommt, ich zeig es euch!“ Bevor sie das Stalltor öffnete, bat sie uns, am Eingang stehen zu bleiben und „ruhig zu schauen. Lärm und Unruhe vertragen die Tiere nicht. Sie hacken dann auf einander los und verletzen sich.“
Der Stall machte einen sehr sauberen Eindruck. Aber die tausend Hennen bekamen wir nur aus sicherer Entfernung zu sehen.

Weiterhin hochaktuell, deshalb mit kleinen Korrekturen von blog.de (02. 12. 2006) übernommen.

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