Rosa war rot. Die SPD war es auch einmal…

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Das aber tat eine Ortschefin der Jungen Union (JU). Sie rügte einen SPD-Ortschef, der sich – so die Recklinghäuser Zeitung am 10. August d. J., – auf „Schmusekurs“ befände, nämlich eine rot-rot-grüne Koalition in NRW für denkbar hält, und behauptete, DIE LINKE sei eine Partei, „die die Verantwortung für Mauerbau, Schießbefehl und Terrorisierung der DDR-Bevölkerung durch die Stasi trägt“.

Dies ist ebenso absurd, wie es die Behauptung wäre, die CDU sei für den Holocaust verantwortlich. Nun haben zwar in der CDU „hochkarätige“ Nazis Karriere gemacht, u. a. Globke und Filbinger, damit ist aber nicht die gesamte Partei historisch belastet.

Hans Globke. Er beschäftigte sich „als Korreferent (…) auch mit „Allgemeinen Rassefragen“, „Ein- und Auswanderungen“ und Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem antisemitischen „Blutschutzgesetz“→ https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Gesetze .
Globkes Wirken umschloss auch die Erarbeitung von Vorlagen und Entwürfen für Gesetze und Verordnungen. In diesem Zusammenhang war er beteiligt an der Vorbereitung der Ersten Ausführungsverordnungen der Nürnberger Gesetze (15. September 1935), dem Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes vom 18. Oktober 1935 und dem Personenstandsgesetz (3. November 1937). (…)

Er war Mitverfasser- und -herausgeber des ersten amtlichen Kommentars zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen….“ Globke wurde (…) „unter Bundeskanzler Konrad Adenauer zunächst Ministerialdirigent im Bundeskanzleramt und stieg 1953 zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt auf. In dieser Funktion war er Mitglied des engsten Führungszirkels um Adenauer und dessen engster Vertrauter. Im Schatten des Bundeskanzlers zog Globke im Hintergrund die Fäden und fungierte so als wichtiger Stützpfeiler von Adenauers »Kanzlerdemokratie«.“

[Quelle: Wikipedia → http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Globke ]

Hans Filbinger, noch ein Jurist, laut Hochhuth ein „ein so furchtbarer (…), daß man vermuten muß — denn die Marinerichter waren schlauer als die von Heer und Luftwaffe, sie vernichteten bei Kriegsende die Akten — er ist auf freiem Fuß nur dank des Schweigens derer, die ihn kannten.“

Filbinger hatte als Ankläger und Richter bei der Kriegsmarine noch 1945 Todesurteile gegen Deserteure beantragt und wurde am 1. Dezember 1966 Ministerpräsident Baden-Württembergs, Nachfolger von

Kurt Georg Kiesinger, der Bundeskanzler geworden war. Dieser CDU-Mann hatte unter Ribbentrop eine Stellung im Reichsaußenministerium und stieg bis zum stellvertretenden Leiter der „Rundfunkpolitischen Abteilung“ auf, die für die Überwachung und Beeinflussung des ausländischen Rundfunks zuständig war.

[Quellen: Wikipedia → http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger
und
→  http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Georg_Kiesinger ]

Drei von vielen anderen CDU-Politikern, die ihre Verstrickung in den NS-Staat erst zu vertuschen, dann zu verharmlosen versucht haben. Und wie ist das mit der jüngsten Geschichte? Da ist vieles noch nicht geschrieben worden und wird es wohl auch nicht mehr werden, weil belastende Dokumente kurz vor und nach der „Wende“ vernichtet worden sind.

Z. B. Angela Merkel. Hätte sie, eine Akademikertochter, in der DDR studieren dürfen. Sie durfte, dank Vitamin B (wie Beziehungen) und eigenem Engagement für die DDR: Da ist zunächst »ihr Vater, der dominante Pfarrer Horst Kasner, der Angela Merkel „entscheidend geprägt“ habe. Langguth (dessen Merkel-Biografie hier besprochen wird) beschreibt den Geistlichen, der 1954 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von West nach Ost übergewechselt war und später im brandenburgischen Templin eine wichtige Einrichtung für die Ausbildung von Vikaren leitete, als Sympathisanten des SED-Staates. Seine politischen Anschauungen hätten ihm dort den Spitznamen „roter Kasner“ eingebracht.

Langguth schildert anschaulich, wie Kasner gemeinsam mit dem als Stasi-Mitarbeiter (IM) geführten Clemens de Maizière, dem Vater des späteren DDR-Premiers, SED-Kirchenpolitik umgesetzt habe, etwa bei der Spaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik habe Kasner ebenso abgelehnt wie die Bonner CDU, die seiner Auffassung zufolge schon in den sechziger Jahren „abgewirtschaftet“ hatte. Soviel Hinwendung zur SED-Staatsmacht, die sich nicht zuletzt in der Mitgliedschaft in der Moskau-gesteuerten Prager Christlichen Friedenskonferenz (CFK) oder im Stasi-gelenkten Weißenseer Arbeitskreis ausdrückte, brachte Kasner Privilegien. Zu diesen gehörten zwei Autos sowie die Erlaubnis, in den nichtsozialistischen Westen reisen zu dürfen.

Langguth erwähnt eine Fahrt mit der Nationalen Front der DDR nach Italien, in deren Folge Kasner geäußert habe, daß nur die KPI das Land vor dem weiteren Niedergang würde retten können. Daß Horst Kasner in der DDR „etwas Besonderes“ war, davon profitierten freilich auch seine drei Kinder. Anders als der Sohn eines systemkritischen Pfarrers aus Kasners Umfeld, der als Hilfsschlosser hatte arbeiten müssen, gehörte die 1954 geborene Angela zu den gerade einmal zehn Prozent des Jahrgangs, die die Erweiterte Oberschule (EOS) besuchen durften. Als „Kasi“, wie sie damals genannt wurde

Dem Abitur folgte das Studium der Physik an der Leipziger Karl-Marx-Universität. Wer es einmal bis dorthin geschafft hatte, dem war die naturwissenschaftliche Karriere sicher – vorausgesetzt, daß man bei dem mit viel Ideologie flankierten Studium nicht aneckte. Dissidenten wie Biermann und Havemann waren für Angela Kasner kein Thema, sondern das Engagement in der SED-Jugendorganisation. Sie selbst berichtete, sie sei Kulturreferentin gewesen und habe sich um die Bereitstellung von Theaterkarten gekümmert. Andere, die Langguth ebenfalls befragt, erinnern sich, daß sie „Sekretärin für Agitation und Propaganda“ gewesen sei. Auf Unterlagen kann Langguth hier nicht zurückgreifen, denn es gibt sie offenbar nicht mehr, genauso wenig wie Angela Kasners Pflicht-Arbeiten in Marxismus-Leninismus.«

[Quelle: Welt am Sonntag, 19. Juni 2005]

Der von der JU/CDU-Dame angegriffene SPD-Ortsvorsitzende Andreas Becker hat einen Tag später in einer Antwort auf den „Schmusekurs“-Vorwurf Gründe für eine mögliche rot-rot-grüne Koalition genannt und der CDU den Spiegel vorgehalten: “Kein Sozialdemokrat wird sich von Vertretern einer Partei * Moralpredigten anhören, die sich nach der Wiedervereinigung ohne Hemmungen Geld- und Sachvermögen einverleibt hat, das von DDR-Blockparteien zumindest durch Duldung von Diktatur, Mauer-Toten und Stasi-Überwachung angehäuft wurde!“

* (Gemeint ist auch der Bürgermeister unserer Stadt. Er hatte sich etwas moderater geäußert. dst)

„Und wir verbieten uns“, heißt es in Beckers Erklärung weiter, „auch Ratschläge aus Parteien, die heute selbst und ohne mit der Wimper zu zucken, in vielen ostdeutschen Kommunen mit der Linken zusammenarbeiten (…), wie zum Beispiel in Cottbus (…)“

Rosa war rot. Die SPD war es auch einmal. Jetzt hat sie nur noch ein paar rote Flecken.

Von blog.de (13. 08. 2007) übernommen.

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