Die DKP: ein Relikt aus dem 19. / 20. Jahrhundert

Sie ist auf rd. 4000 Mitglieder zusammengeschrumpft. Auch das Parteivermögen schwindet dahin, seit es kein Geld mehr aus der DDR gibt. Da soll nun wohl DIE LINKE das Überleben der DKP sichern. Die neue LINKE, wohlgemerkt.
Die DKP ist ein Relikt aus dem 19./20. Jahrhundert. Die Ideologie und zentrale Aussagen ihres Programms sind antiquiert. Die Zielsetzung ist höchst fragwürdig.

Ein Blick auf das Programm:

»Die sozialistische Gesellschaftsordnung setzt die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im Bündnis mit den anderen Werktätigen voraus. Sie gründet sich auf das gesellschaftliche Eigentum an allen wichtigen Produktionsmitteln, an den Finanzinstituten und Naturressourcen. (…)
An die Stelle der chaotischen, auf Profitinteressen ausgerichteten, von Krisen geschüttelten kapitalistischen Konkurrenzwirtschaft tritt eine nach wissenschaftlichen Kriterien gemeinschaftlich und verantwortungsbewusst geplante, von Solidarität getragene Produktionsweise. Der Sozialismus beseitigt die kapitalistischen Klassenprivilegien und überwindet im Zuge des Aufbaus der neuen Gesellschaft die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.«
[DKP-Parteiprogramm. III. Der Sozialismus – die historische Alternative zum Kapitalismus. Das sozialistische Ziel.]

Solches erinnert an Verlautbarungen der SED und ihrer „staatlichen Organe“. An Reden, Schriften, Transparente, Plakate in der DDR. Während ich das lese, höre ich Walter Ulbricht sprechen.
„Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse“ ? In Deutschland? In Europa? Wo ist diese Elite? Und die „anderen Werktätigen“ ? Das ist doch wohl die große Mehrheit aller in Handwerk und Fabrik abhängig Berufstätigen. Oder gehören Computerspezialisten, Büro- und kaufmännische Angestellte, Kleinhändler, der Schulhausmeister etc. dazu? Hochschullehrer/innen und StudentInnen? Lenins „nützliche Idioten“: die linken Intellektuellen? -Schriftsteller und Künstler, sie schaffen Werke, ja.

„Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse“. Das ist eine andere Formulierung für »Errichtung einer „Diktatur des Proletariats.“« Was bedeutet das? Es bedeutet Klassenkampf und Zerstörung der Demokratie.
Da es dieses „Proletariat“ („Prekariat“ ist etwas anderes) heute jedoch in Deutschland kaum noch gibt, ist alle Angst vor der DKP unbegründet.

„…Im Zuge des Aufbaus der neuen Gesellschaft…“ (DKP-Programm) und „Umbau der Gesellschaft“ (Christel Wegner)

Gesellschaftliche, politische Prozesse laufen nicht so mechanisch ab wie in den Theorien Lenins und Stalins. Der DIAMAT / HISTOMAT ist ein mechanistisches und reduktionistisches Denkmodell.
Der Misserfolg der DKP – die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung – ist nicht nur auf ein „vom Klassenfeind manipuliertes falsches Bewusstsein“ zurückführen, sondern vor allem auf das Verhalten dieser Partei zu den Völker- und Menschenrechtsverbrechen der Sowjetunion [Ungarn, Polen, Tschechoslowakei] und auf abschreckende Beispiele von Menschenverachtung und Unmenschlichkeit in der DDR [Stichworte: Mauerbau, STASI, Verfolgung der Dissidenten].
Eine parlamentarische Zusammenarbeit der Linkspartei mit der DKP nützt allein den Parteien (und ihrer Klientel), die der neuen Linken schaden wollen. Das haben die Hamburger Wahlergebnisse gezeigt. Wahlergebnisse entscheiden nun mal in einer parlamentarischen Demokratie über die Einflussmöglichkeiten von Parteien auf die Politik. Ohne DIE LINKE hätten sich SPD und Grüne keinen Zentimeter von ihrem asozialen, neoliberalistischen Kurs wegbewegt.

Diese Kritik soll nachdenklich machen, nicht verletzen. Ich kenne DKP-Mitglieder, die sich uneigennützig sozial und sozialpolitisch engagieren. Es sind Menschen, die ich sehr schätze.

Mehr zu diesem Thema:
»Ursachen für das Scheitern des Sozialismus« auf der Seite „Politik“ im ZEITFRAGENFORUM I
http://www.dietrichstahlbaum.de

Von blog.de (25. 02. 2008) übernommen.

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