VOM WEISSEN BERG ZUM TAL DER WUNDER. Eine Hochgebirgstour (1989)

In den französische Seealpen, 70 bis 80 km nördlich der Côte d`Azur, ist das Tal der Wunder: La Vallée des Merveilles am Mont Bégo, einem 2873 m hohen Berg, von dem es heißt, er sei ein heiliger.
Die spärlichen Auskünfte, die wir darüber in Reiseführern fanden, besagen, dass dieses Tal, zwischen 2100 und 2500 m hoch, schwer zugänglich sei. Für eine Fußwanderung würden zwei Tage genügen, wenn man oben in einem Zelt oder in einer der beiden Schutzhütten übernachtet. Man könne sich aber auch einen Jeep mieten und sich in „Schwindel erregender Fahrt“ bis zum Lac Long, den Langen See, bringen lassen, wo das Tal beginnt.

In diesem Tal sind unzählbare, in Felsen eingemeißelte Zeichnungen; geschätzt werden sie insgesamt auf 50 000 bis 100 000. Über sie wird seit dem 15. Jahrhundert berichtet, teils mit Schrecken, teils mit Bewunderung, teils mit wissenschaftlicher Akribie. Aber es ist bis heute noch nicht gelungen, Herkunft und Bedeutung der Felsgravuren zweifelsfrei zu erforschen, sie zu entschlüsseln, zu lesen, zu verstehen.
Die Archäologen tappen da, gestützt auf mehr oder weniger wacklige Hypothesen, im Nebel, und dieser zieht hier ja auch fast jeden Nachmittag herauf.

Wir wollen, wenn das Wetter es zulässt, über Matigny/Schweiz durch die französischen Hochalpen fahren. Die Serpentinen an den steilen Hängen bei Martigny sind zur Einstimmung in solch eine Alpentour besonders gut geeignet.

Das Wetter ist gnädig: Sonne und Wolken, leichter Sommerwind; bald sehen wir den großen Weißen Berg immer wieder aus einem anderen Blickwinkel.

Mont Blanc
Mont Blanc
Mont Blanc (2)
Mont Blanc (2)

Am 18. Juni steht unser kleines Zelt bei Argentière am Nordhang des Mont Blanc auf einer großen, steilen Wiese in 1 200 m Höhe, und eine Rinderherde läutet uns in den Schlaf.

Mont Blanc-Gletscher (1)
Mont Blanc-Gletscher (1)

Am 19. Juni stehen wir am Glacier des Bossons, unterhalb des Mont Blanc Gipfels, und fassen die Gletscherzunge an.

Mont Blanc-Gletscher (2)
Mont Blanc-Gletscher (2)

Mitten im Sommer sein und zugleich mitten in der Eiszeit, im Nacken glühende Sonnenstrahlen und im Gesicht den kalten Hauch aus den Gletscherrissen und -spalten, aus denen Schmelzwasser hervorbricht Empfindungen, die sich nicht beschreiben lassen.
Hier und dort geraten Schlamm und Geröllmassen in Bewegung und wälzen sich talwärts. Auf der Gletscherzunge macht eine Gruppe junger Bergsteigerschüler und schülerinnen mit Pickel, Seil und Steigeisen erste Gehversuche. Eine lästige, metallene Libelle pendelt lärmend hangauf hangab. Ein kleiner Hubschrauber. Er transportiert lange Baumstämme an einem Seil ins Tal.

Das „Ewige Eis“, das hier 3400 m hinabfließt, wird spätestens in 30 bis 50 Jahren durch den Treibhausseffekt weggeschmolzen sein. Auch der Gipfel des Mont Blanc ist dann entblößt.

Ein paar Stunden später. Wir haben einige mittlere Bergpässe bis knapp unter 2000 m Höhe problemlos passiert und suchen etwa 170 km weiter südlich einen Zeltplatz. Die Sonnenstrahlen erreichen auch hier die höher gelegenen Täler nicht mehr; es wird Abend, und wir wollen erst morgen früh den Col du Galibier überqueren. Er ist 2654 m hoch.

Unser Tercel, ein 1300er mit 65 PS, ist zwar schon 6 1/4 Jahre alt und ist jetzt 103 000 km ohne Panne gefahren; er ist vor dieser Reise durchgesehen und ein paar Teile sind erneuert worden; dennoch bleibt ein Rest Ungewissheit, ein „Restrisiko“.
Andererseits wollen wir nicht verschweigen, dass wir nicht ohne Skrupel auf die Reise gegangen sind: Wir wissen, wie gefährdet besonders die alpinen Ökosysteme sind, vor allem durch den Tourismus, auch durch die Abgase der Motoren, selbst wenn diese nicht auf volle Touren hochgejagt werden. Aber dann hätten wir zu Hause bleiben müssen, in einer hochbelasteten Region, in einem dichtbesiedelten und zersiedelten Land, das eine einzige Militärbasis ist, in stickigen Städten oder kaputten Wäldern, hätten in gechlorten Freibädern oder giftigem Seewasser schwimmen müssen, hätten an überdüngten, mit Pestiziden vergifteten Feldern und Weiden entlang wandern müssen, umgeben von Monokulturen: Wir hätten in einer geschundenen, dem Artentod preisgegebenen Natur Erholung suchen müssen…
Wenn wir einmal im Jahr für drei Wochen in den Süden fliehen, um Kraft zu schöpfen, um mit erweitertem Horizont wieder heimzukehren, ich glaube, Erde und Himmel werden uns das verzeihen. –

Der Abend rückt heran. So jedenfalls suggeriert es der Sekundenzeiger meiner Armbanduhr, die mit winzigen Schritten Zeit als Raum und Raum als Zeit sichtbar werden lässt.
Die Straßen, die wir befahren, sind fast menschenleer. Es wird sicherlich niemanden überraschen, wenn Ursel jetzt ihre Ängste äußert. Sie befürchtet, sprach- und deshalb hilflos dazustehen, falls mir etwas zustößt, weil sie weder Auto fahren noch französisch sprechen kann. Dennoch fahren wir zum Pass hinauf, an diesem Abend, denn wir haben nirgends einen Zeltplatz entdeckt.

Es ist öde und einsam hier oben. Nacktes Gestein, das in den Himmel ragt, bis 3 300 m hoch. In den Nischen und Hochtälern Reste des Winters. Rechts und links militärisches Sperrgebiet. Hier, oben in den Bergen, spielen Soldaten Kinder, hätte Karl Kraus gesagt.

Es erweist sich als richtig, dass ich mich über den Zustand der Straße, auf der wir uns befinden, vielmehr über das, was sich so nennt, nicht erkundigt habe. So kann ich alles, was kommt, unbefangen auf uns zukommen lassen, und das ist zuerst einmal eine Serpentine, nicht ganz so steil und so schmal, wie wir es anderswo schon erlebt haben; aber die Teerdecke ist, je höher der Weg, um so mehr verwittert und zu Schotter geworden. Die Schlaglöcher sollen offenbar verhindern, dass die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt.

Es ist gegen 20 Uhr. Die Sonnenstrahlen hängen nur noch an den Gipfeln und vergolden sie. Eine lange Fahrt, im zweiten Gang. Ich schone, so gut es geht, den Motor und damit auch die Atmosphäre, die Luft zum Atmen: Pflanze, Tier und Mensch. Die Temperatur des Motors bleibt im Normalbereich.

Alpenreise F5Nun sind wir ganz oben, 2654 m hoch: Le Col du Galibier. Es ist frisch hier, aber nicht kalt. Ich steige aus dem Wagen, Ursel bleibt sitzen. Ihr ist es unheimlich hier.

Col du Galibie (2)
Col du Galibier (2)
Col du Galibier (3)
Col du Galibier (3)

Felsen, Moose, Gras. Schneereste. Letzte Sonnenstrahlen. Nebelschwaden. Schatten. Raum und Zeit verschmelzen miteinander. Hier fällt alles von dir ab. Du wirst zu nichts. Du bist einfach da, wie das Gestein, das Moos, der Schnee, die Sonnenstrahlen und die Schatten da sind…
Ein Tier! Dort, wo das Moos wie ein Fell die Felsrücken bekleidet, kaum einen Steinwurf entfernt: langhaarig, braun, eine große Ratte? Es stellt sich auf die Hinterbeine und guckt… und verschwindet schneller, als ich das Objekt des Fotoapparates wechseln kann.
Habe ich das Tier geträumt? Ist da überhaupt etwas anderes als meine Phantasie? Ist das, was wir hier sehen, Realität? Was ist Realität? Eine Widerspiegelung unserer Einbildung? Das Tier jedenfalls ist weg. Ein Murmeltier?
Wäre ich jetzt allein, ich würde bis zum Morgen hier oben bleiben, nicht, um eine Antwort auf diese Fragen zu suchen (sie sind eigentlich unbeantwortbar, sie sind auch unwichtig), sondern um die Nacht zu erleben, hier am Rande des schwarzen Himmels.

Ein Fahrzeug quält sich den Berg herauf, weit unten aus der Gegenrichtung. Es ist schon lange zu hören, ehe seine Scheinwerfer zu sehen sind. Es erreicht den Pass: ein PKW. Er rollt an uns vorbei, talabwärts.
Ursels Geduld ist zu Ende. Sie erinnert mich daran, dass es wohl kaum möglich sein werde, bei völliger Dunkelheit hier hinunterzufahren. Die Wegränder sind nicht markiert. Und Nebel ziehen herauf. Ein Zeltplatz?
Schneller, als wir es wahrhaben wollen, tauchen wir in die Dunkelheit ein, im Schritttempo uns von Kurve zu Kurve nach unten tastend. Nadelörkurven.

Endlich ein paar Häuser, ein Hof, eine kleine Siedlung? Rechts zweigt ein Weg ab, eben noch befahrbar: durch eine enge Gasse, die eher ein ausgetrocknetes Bachbett als ein Fahrweg ist, hindurch. Einige hundert Meter weiter könnte ein Campingplatz sein. Dort jedenfalls steht ein Campingwagen. Ein Mensch kommt uns entgegen: Ja nein, aber zehn Minuten weiter ist ein Campingplatz, etwas konfortabler als das da: bei C… Das nächste Dorf.
Den Namen verstehe ich nicht. Namen sind hier jetzt auch nicht so wichtig. Ich bin erschöpft und überreizt und nahe daran, die Nerven zu verlieren.

Dieser Tag hat viel Energie gekostet. Jetzt kommt es nur noch darauf an, die nächsten zehn Minuten oder zwanzig? durchzuhalten. Um sich hier mit dem Einsiedler anzufreunden, ist es heute schon zu spät.
Fast zwanzig Minuten, und wir erreichen einen Campingplatz unter schlanken, hohen Lärchenbäumen an einem reißenden, rauschenden Gewässer. Es ist 21 Uhr 15. Bei Taschenlampenlicht wird das Zelt aufgebaut. Die nahe Kirchturmuhr meldet sich alle halbe Stunde, wie hier üblich, zweimal. Um zehn schwingen zehn Glockenschläge herüber, und nach einer kurzen Pause nochmals zehn. Dann hören wir sie erst wieder am Morgen. Sie übertönt das Rauschen des Wassers.

Auch der 20. Juni ist ein Sonnentag. Die Morgennebel lösen sich auf. Frühstück. Zeltabbau. Gegen Mittag sind wir auf dem Col de Vars, 2111 m hoch. Wir wollen hier ein kleines Mittagessen kochen und zur Lockerung unserer Muskeln wandern.
Dieser Pass scheint häufig befahren zu werden: Es gibt einen Parkplatz und einen Ableger der Zivilisation, der die Natur verschandelt: ein Café mit Schnellimbiss, Postkarten, Fellen, Gedrechseltem und Geschnitztem. Auf einem Zettel am Eingang zur Holzhütte machen sorgfältig gemalte Worte darauf aufmerksam, dass die Pass-Straße von 9 bis 12 Uhr 30 und von 13 Uhr 30 bis 17 Uhr 30 wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Ich gehe hinein, um mich zu vergewissern. Ja, in einer halben Stunde ist unten alles dicht! Unser Mittagessen zwischen Alpenblumen muss vertagt werden.

Mit knurrenden Mägen fahren wir bis zur italienischen Grenze, die wir bei einer kleinen Zollstation auf dem Col de Larche (1991 m) passieren, und ein paar hundert Meter tiefer durch ein Hochtal.
Hier sitzen wir, ein spätes Mittagessen kauend, unter backofenheißen Sonnenstrahlen am Rande einer Blumenwiese, von Hummeln, Bienen und Wespen umsummt und umflattert von Schmetterlingen. Ein Bach, gespeist von dem Wasser, das hier überall aus den Bergen quillt und sich da und dort über eine Felskante hinabstürzt, kühlt unsere Füße. Hier ist es schön! Hier bleiben wir eine Weile.

Spät am Nachmittag rollen wir in Richtung Coni bzw. Cuneo durch die italienischen Alpen. Tende heißt unser nächstes Ziel, wenige Kilometer hinter der Grenze, wieder in Frankreich. Jetzt fahren wir durch den Berg hindurch: Schlaglöcher und Pfützen, Schlaggestein. Weder die Italiener noch die Franzosen scheinen diese drei Kilometer lange Röhre zu lieben. Wir sind hier fast allein.

Tende hängt an einem Felsenhügel wie ein Hornissennest oder ein tibetisches Dorf. In Saint Dalmas, vier Kilometer weiter, frage ich nach dem Weg zum Tal der Wunder. Ich frage aber nicht, ob dort ein Campingplatz ist. Ich bilde mir ein, dass da, wo die für einen PKW befahrbare Straße endet, ein Campingplatz sein müsse.

Und so fahren wir zehn Kilometer von 660 auf 1560 m bis Castérine hinauf. In dieser kleinen Siedlung gibt es sogar ein Hotel, aber einen Campingplatz? Die schmale, geteerte und stellenweise kaputte Straße führt auch noch weiter hinauf. Vielleicht können wir dort oben übernachten.
Wir fahren hinter einem PKW her, etwa vier Kilometer bergauf, bis zum Eingang des Naturparks von Mercantour, in dem das Tal der Wunder liegt. Weiter geht es nur noch zu Fuß. Wir steigen aus und schauen uns um. Kiefern, Lärchen, sehr hohe Bäume und seltsame, auch orchideenartige Blumen. Moose, Farne und andere Pflanzen, die wohl nur in solch einem wilden Steingarten gedeihen können. Wir sind hier etwa 1800 bis 1900 m hoch. Mehrere Landrover und Jeeps parken zwischen den Bäumen.

Mit langen, schwingenden Schritten, als spürten sie die Last ihres großen Rucksackes nicht, wandern junge Schwarzafrikaner an uns vorbei ins Tal.
Hinter einer engen, steilen Kurve sehe ich einen Weg, den wir weiterfahren könnten. Er führt zum Col de Tende. Dieser auf meiner Karte als nicht befahrbar gekennzeichnete Weg ist inzwischen ausgebaut und geteert worden, denke ich und fahre los. Ein paar Meter weiter, hinter der nächsten Kurve, ist die Teerdecke zu Ende, und was jetzt kommt, das sieht aus, als sollte hier einmal eine Straße gebaut werden. Das Straßenbett ist bereits aus dem felsigen Abhang herausgebrochen worden. Ein paar hundert Meter von hier entfernt ist sogar ein Gebäude, ein Gehöft? Vielleicht können wir dort übernachten. Ich fahre weiter, über Geröll, links die steile, aufgerissene Felswand, aus der loses Gestein herausgebröckelt ist, und rechts, da sitzt Ursel und wagt nicht, hinunterzuschauen…
Mir ist auch nicht ganz wohl dabei; aber es ist keine Angst. Es ist eine aufs Äußerste gespannte innere Situation, die alle Sinne beansprucht. Zum Zerreißen wach, konzentriert auf das, was jeden Moment passiert. Da ist für Angst gar keine Zeit.

Der Weg, auf dem wir uns nun befinden, wird schmaler. Wahrscheinlich ist dies doch nur ein Pfad für Hirten, Bergziegen, Schafe und Schmuggler. Aber zum Umkehren ist hier kein Platz. Da kommt auch noch ein Fahrzeug, ein großer, klappriger Amyschlitten aus den 60er Jahren angerast, als habe er „heiße Ware“ im Kofferraum. Die Zollstation oben am Col de Tende ist sicherlich unbesetzt. Was nun? Wir müssen uns mit dem Auto an die Felswand drücken, damit der noch nicht ausgediente Crysler an uns vorbei kann.

Jetzt steigt Ursel aus und stellt sich rückwärts vor den Wegrand dicht am Abgrund, wo alles, was hier über die Kante rollt oder kippt, etliche hundert Meter hinunterfällt. Eine Vorsichtsmaßnahme, mit der sie verhindern will, dass ich beim Wenden samt Auto in die Hölle fahre.
Das macht mich natürlich noch nervöser, als ich es schon bin. Ich fahre diesmal aus der Haut und schreie sie an. Ich schaue nach, ob ich rückwärts zurückfahren könnte. Das geht nicht. Da liegen größere Brocken, Bruchstücke von Felsen, mitten auf dem Pfad, vom Fahrersitz aus nicht zu sehen. Wenn unser Auto hier kaputt liegen bleibt, können wir es nur noch den Abhang hinunterkippen und als Landstreicher und -streicherin nach Hause tippeln.

Der Nachmittag geht seinem Ende zu. Ich war so beschäftigt, dass ich es erst jetzt bemerke. Ein paar tiefe Atemzüge, und das Wendemanöver glückt.

Auf halbem Wege nach Castérine sehen wir junge Leute, die zwischen den Ruinen eines Gehöftes zelten und mir beteuern, der – wahrscheinlich längst abgewanderte oder verstorbene – Eigentümer habe es ihnen erlaubt. Für unser Zelt ist da kein Platz mehr. Bleibt nichts anderes übrig, als im Hotel zu übernachten, falls dort überhaupt noch ein Bett frei ist.
Wir sind jedoch nicht nur der Zivilisation bereits derart entwöhnt, dass diese Frage einer Erörterung bedarf, wir sind auch ziemlich geizig geworden und stolz auf jeden Sous, den wir uns ersparen können.

Auf einer großen Wiese unterhalb des Hotels steht plötzlich ein großes, blaues Zelt. Davor versammelt sich eine Gruppe von Kindern mit klapperndem Essgeschirr und marschiert in ein nahes Gebäude.
Ursel meint, ich sollte im Hotel fragen, ob wir hier zelten dürfen. Aber ich habe Hemmungen, einen Hotelier zu fragen, ob er uns erlaube, auf seiner Wiese zu zelten. Da steigt, wie ein deus ex machina, ein Mensch aus seinem Auto, gibt sich als Deutscher zu erkennen, vernimmt aus Ursels Munde, was wir vorhaben, sagt, er kenne gut den Hotelier und löst unser Problem.

Eine halbe Stunde später steht unser Zelt mitten auf einer Blumenwiese. Es ist Nacht geworden, eine sehr schwarze Nacht: Der Himmel hat sich bezogen. Es wird regnen.
Jetzt haben wir Hunger. Im Restaurant bestellen wir, um zu sparen, statt einem Menue, Spaghetti mit Käse à la carte und, weil die Spaghetti mit nichts anderem als geriebenem Käse und wenig Soße zu trocken sind, eine Flasche Rotwein. Dabei denke ich nicht daran, dass Ursel Alkohol nur symbolisch mittrinkt. Dementsprechend tappen wir dann durch einen nächtlichen Regen zum Zelt.

Am Fuß des Bégo
Am Fuße des Bégo

21. Juni. Der Sommer hat nun auch im Kalender angefangen. Die Wiese vorm Zelt ist nass geregnet. Die Blumen warten mit hängenden Köpfen darauf, dass die Sonne, noch ganz in Wasser getaucht, über dem Hochtal erscheint. In der Nähe blöken Schafe. Der Klang ihrer hellen Glocken hält sie beieinander. An einem Gebirgsbach waschen wir uns. Auf der Herrentoilette („Messieurs“) des Hotels, ehemals eine Abstellkammer am Hinterausgang, ziehe ich den Stecker aus dem Händetrockner und rasiere mich.

Heute ist der Tag, an dem wir zum Tal der Wunder hinaufsteigen wollen! In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich mich nicht nach möglichen Problemen bei der Tour erkundigt; denn es könnte ja sein, man rät uns von einem Aufstieg ab und überzeugt uns, dass es besser wäre, unser Unternehmen abzublasen. Ich bewege mich auf die Dreiundsechzig zu. Ursel ist nur ein paar jünger als ich. Und was wir vorhaben, ist kein Seniorenspaziergang. Außerdem haben wir keine Bergausrüstung. Ursel hat nicht einmal feste Schuhe.
Wir haben aber auch nicht viel zu tragen: eine Tagesration Stullen, Bananen, eine Thermosflasche voll Kaffee und eine voll Tee, zwei Pullover und die Fototasche. Wir fahren auf etwa 1300 m zum Lac des Meches, einen kleinen Stausee, hinunter und lassen den Wagen dort stehen. Der Aufstieg beginnt.

Gleich am Anfang des Pfades ein Schild: 3,5 Stunden zur Hütte am Lac Long. Dreieinhalb Stunden – ja, das ist vorstellbar. Und 8 oder 10 Kilometer bis zur Hütte, so viel ist das etwa nach der Karte. Das ist nicht weit, das wäre ein Sonntagsspaziergang; aber fast 1 000 m hinauf? Wie ist das: tausend Meter bergauf zu wandern? Eine neue Erfahrung. Sehr steil hier. Jetzt schon. Wer schwach auf den Beinen ist, soll wohl gleich abgeschreckt werden. Undenkbar, dass hier Jeeps fahren können. Es wird ein sehr heißer Tag. Ist es schon. Nur gut, dass der Pfad sich im Schatten großer Bäume hochschlängelt.
Hier ist eine Abkürzung! Quer durch. Nein, da verlaufen wir uns nicht. Es ist ja zu sehen, wo es hinführt. Wir können uns an den Wurzeln hochziehn. Unten ein Fluss, kleiner Bach. Eine barrage, eine Staumauer. Angler. La minière: die Mine, das Bergwerk. Die Gebäude verfallen, fast Ruinen, aber siehst du, hier, nimm das Glas, siehst du die Wäsche an der Leine, das Weiße dort, das ist Wäsche: Bettlaken, Hemden, Unterhosen. Touristen? Menschen, die auch auf den Berg hinauf wollen? Da sind Autos! Oder eben nur Angler? Wie kann man hier stundenlang bis zum Arsch im kalten Wasser stehen und auf die Forellen warten? Wie kann man überhaupt Fische an einem spitzen Haken, der ihr Maul durchsticht, ihr Maul aufreißt, blutig reißt, aus dem Wasser ziehen und Spaß daran haben und nachher seiner Mama stolz die Beute zeigen und die verendeten Tiere auch noch essen? Eine Delikatesse, solange du nicht daran denkst, was mit ihnen passiert, bevor sie vor dir auf dem Teller liegen, les truites à la Provence mit Kräutersoße und Petersilie…

Wenn wir hier aus dem Tal heraus sind, sind wir fast oben; es ist nicht mehr weit. Du schwitzt? Schau mal, diese Blumen! Wilde, seltsame Blumen. Kräuter, Gräser, Farne… Hast du schon jemals solch eine reiche Vegetation gesehen?
Sieh, aus allen Poren des Berges quillt Wasser! Zieh die Schuhe aus! Es fließt dir kühl über die Füße und durchströmt deinen Körper. Du spürst auch die Moose und die Kieselsteine unter den Füßen.
„Bonjour!“ Die beiden jungen Leute kommen schneller voran als wir, trotz der großen Rucksäcke, und sie haben festes Schuhwerk an, Wanderstiefel, und noch ein Paar Schuhe dabei, Turnschuhe zum Wechseln, zum Klettern.
„Il fait chaud.“ „Oui.“ Es ist heiß. Ja. Sie lächelt. Er voran, sie hinterher.

Nicht zu lange Pause machen, sonst kriegst du den Hintern nicht mehr hoch. Schuhe anziehn und aufstehn, Hände in den Himmel gestreckt! Da kannst du dich festhalten. Es ist auch eine Frage der Ökonomie: Kräfte sparen. Langsam, Schritt für Schritt, einen Fuß vor den anderen setzen, ruhig und tief durchatmen, das Zwerchfell muss mitatmen, dann ist alles im Einklang. La cascade de la minière. Der Wasserfall des Bergwerks.
„Bonjour, Messieurs dames!“ Eine Gruppe alter Leute: Kniebundhosen, Hüte, Wanderstöcke. Sie sehen nicht so aus, als ob sie oben ankommen würden. Wir sind ziemlich genau in der Zeit: „1,5 Stunde zur Hütte“.

Der Eingang des Naturparks. Eine Bank, überdacht. Wasser fließt zwischen Steinen und Moosen über den Pfad. Schuhe ausziehn! Füße kühlen! Noch eineinhalb Stunden zur Hütte und dann nochmals dreißig Minuten bis zum Tal der Wunder. Wie gehts? Kannst du noch? Hier zweigt ein Pfad zum Höllental ab, ein Umweg? Der Wald ist gleich zu Ende. Die Vegetation wird ärmer und der Weg immer schmaler und steiler. Felsvorsprünge und Schluchten. Ein Schritt daneben, und du bist weg. Da sitzt das Pärchen! Sie ist völlig erschöpft. Ja, die Ökonomie der Kräfte! Wir werden wohl einander noch ein paar Mal überholen, bevor wir oben sind.

Bergauf zum Bégo
Auf dem Weg zum Bégo

Die Baumgrenze ist erreicht. Hier ist auch die Grenze des Denkens, des Nachdenkens, der Philosophie. Hier bist du ganz aufs Wahrnehmen konzentriert. Hier bist du völlig in der Gegenwart. Die Zeit hört hier auf, und die Uhren verlieren ihren Sinn. Hier fragt dich niemand, wie spät es ist. Und du steigst über Felsbrocken und Steine, die dir eben, als der große Gletscher im Tal der Wunder zu wandern anfing, vor die Füße gerollt sind, und der Berg scheint mit jedem deiner Schritte in den Himmel zu wachsen. Jedes Mal, wenn du einen Hügel erklommen hast, ist wieder ein Hügel dahinter, und jetzt hast du Zweifel, ob deine Kräfte ausreichen werden, und dann atmest du tief und langsam, und es atmet dein ganzer Körper, und mit dir geht alles im Rhythmus des Atems weiter, Schritt für Schritt, vorsichtig wie ein schwer bepackter Maulesel, und du bemerkst gar nicht, dass es still geworden ist…

Bin ich zu schnell gegangen? Ursel kommt nicht nach. Gehe ich zu schnell? Da ist Ursel! Die Fototasche auf den Boden stellen. Sie ist doppelt so schwer als sonst. Arme in den Himmel strecken, tief durchatmen! Hinhocken, auf die Fersen setzen, auf den Zehenspitzen stehen, Wirbelsäule kerzengrade. Schultern fallen lassen, Hände locker auf den Knien. Tief durchatmen…
Von den Schmerzen im Kreuz und in den Knien ist nur noch eine kleine Erinnerung an das Rheuma vom letzten Winter. Ja, da konnte ich mich nicht mehr bewegen und habe angefangen, mich ganz auf die Schmerzpunkte zu konzentrieren und habe sie einen nach dem anderen weggedacht, bis ich keine Schmerzen mehr empfunden habe.
Geht es noch? Ja, es geht. Was geht? ES. Bis zur Hütte ist es nicht mehr weit. Soll ich dir was abnehmen? Den Beutel? Nein? Jetzt bist du ausgeruht. Hänge die Fototasche über die andere Schulter. Steh auf, geh! Beim Gehen das Körpergewicht von einem auf das andere Bein verlagern. Darauf achten, dass immer wieder andere Muskeln beschäftigt werden, dass sich alle Muskeln auch wieder entspannen können. Dies ist das ganze Geheimnis der Kraft.

Im Krieg haben wir, wenn wir gegen die Müdigkeit nicht mehr ankommen konnten, sogar beim Marschieren geschlafen, ein paar Schritte lang, und wer dabei gestolpert ist, den haben andere aufgefangen. Jetzt ist niemand da, um mich aufzufangen, und ich bin hellwach, überwach, es sind die eigenen Gedanken, sie haben Flügel, und die nehmen mich mit. Aber der Kopf ist ja völlig leer! Das ist der Geist des Berges, der Geist des Bégo, der zieht mich hinauf…

Hier ist kein Wald mehr. Die Bäume sind weggelaufen. Durch das Gestein schlängeln sich Bäche. Der zackige Gipfel des Berges. Allen, die hier herauf wollen, zeigt er die Zähne. Es ist kühl. Den Pullover anziehn. Schneeteppiche. Ein kleiner See. Das Wasser ist, je nachdem, wo ich stehe, grün oder schwarz.
Christen haben hier den Eingang zur Hölle gesehen. Das kann ich mir vorstellen. Aber wer hat ihnen Angst gemacht? Angst vor der Natur. Angst vor sich selbst. Hier sind Hölle und Himmel eins.
Vipern soll es hier geben. Vipern sind scheu. Und sie sind ungefährlich, wie alle freien Tiere, solange sie nicht erschreckt werden, sich bedroht fühlen oder hungrig sind. Auch eine Viper ließe sich gut zureden.
Gandhi zum Beispiel hatte nichts gegen Vipern. Und so hatten sie nichts gegen ihn. Er hat sie nicht einmal aus seinem Haus vertrieben.

Le Longe Lac

Le Lac Long Supérieur. Der Obere Lange See.

Da ist die Hütte! Wir sind auf 2111 m. Eine Bretterbude, mitten im steinernen Meer. Die Tür ist offen. Davor Tische und Bänke aus rohem Holz. Auf einem der Tische ein Rucksack.
Eine ätzende Wolke, unsichtbar: Grüße von der chemischen Industrie, wahrscheinlich ein Desinfektionsmittel, das da verdunstet. Da sind Menschenschützer mit der chemischen Keule in den Krieg gezogen gegen Wanzen und Läuse, die in den Rissen und Ritzen der Hütte auf der Lauer liegen.

In den Kasematten von Marseilles marschierten nachts Legionen von Wanzen über unseren Köpfen an der Decke der Gewölbe, unter denen wir 1949 schliefen, und ließen sich auf uns herabfallen; dennoch haben wir keinen Schaden genommen.

Schuhe ausziehn. Knie an den Bauch pressen. Entspannen. Die Gedanken in den Wind hängen. Einfach einmal sehen, hören, riechen, spüren, das da ist…
Die Tischplatten fleckig und fettgetränkt. Rillen und Kerben. Tranigranziger Geruch: Fische und Olivenöl. Käse. Butter. Speckschwarten, auf dem blanken Holz mit dem Taschenmesser in kleine, mundgerechte Stücke geschnitten. Aus Blechtellern herausgeschwappte Suppe. Schwarzer, stark gerösteter Kaffee, beim Eingießen aus der Thermosflasche danebengeschüttet. Der Regen hat hier Küchendienst. Die Menschen, die vor uns auf diesen Bänken gesessen haben, hatten ebenso Hunger, Durst und müde Beine wie wir.
Du kannst das Wasser trinken, das da aus dem Berg herausfließt! Aber es ist noch heißer Tee in der Thermosflasche und heißer Kaffee in der anderen.
Wir kauen unser Brot, das wir mitgenommen haben, mit Ziegenkäse, Butter, Honig und Bananen. Auch in der Hütte sind solche Tische und Bänke. Eine große Theke, darauf zwei Plastikbecher. Daraus ist eben getrunken worden. Bretterregale. Schränke. Unter dem Dach, eine steile Treppe hinauf, der Schlafraum. Kein Platz für Wanzen und Läuse. Und Flöhe? Menschenflöhe? Längst ausgestorben. Hagenbeck versprach jedem, der ihm einen lebenden Menschenfloh brachte, eintausend Reichsmark. Mein Vater hat mir das einmal erzählt, als ich etwa neun Jahre alt war.

Hinter der Theke hantiert eine junge Frau. Sie zeigt mir ihren Rücken. Ich habe sie erst jetzt bemerkt. Sie dreht sich um und schaut mich verängstigt an.
„Bonjour“, sage ich. „Man kann hier übernachten?“
Keine Antwort. Das ist ja nur eine Frage; denn wir haben nichts zum Übernachten mitgenommen, weder Schlafsäcke noch Zahnbürsten, auch nichts zum Frühstücken. Wir sollten jetzt aufbrechen.

Nach wenigen Schritten sind wir wieder im Rhythmus, und die Muskeln schmerzen nicht mehr. Geh schon weiter! Ich will das Häuschen dort fotografieren:

Wasserklosett
Wasserklosett

…ein WC besonderer Art. Auf einem Betonsockel am See, über dem Wasser. Von meinem Standort aus sieht man darüber den Mont Bégo.
Hier kann man sich im Angesicht des heiligen Berges ganz der Natur hingeben. Hier kann man ihr das, was man ihr genommen hat, wieder zurückgeben. Es ist wertvoller als Gold.
Das Tal der Wunder ist nicht mehr weit. Ich schätze 1 000 m, dabei 100 bis 200 m bergauf.

Versteinerung

Ist dieser Baumstumpf versteinert?

Nein, das ist noch Holz; es scheint nicht zu verwittern. Ein uralter Zeuge. Seit 9 000 Jahren steht er hier, um daran zu erinnern, dass es hier einen Wald gegeben hat.
Wir kommen jetzt in eine Steinwüste. Geröll. Das hat ein gigantischer Gletscher im Tal der Wunder vor sich hergeschoben, gestern, vor 15 000 Jahren. Da endet der Pfad.
Viele Füße haben ihn ausgetreten. Sie haben an dieser Stelle Halt gemacht. Kein Mensch hat gewagt, weiterzugehen. Niemand hat weitergehen können. Oder es war allein den Priestern erlaubt. Später hat es die Kirche allen verboten, weil sie den, der da mit Blitz und Donner umgeht, für den Teufel gehalten hat.
Blitz und Donner gibt es am Bégo, das erfahren wir später, im Sommer fast jeden Nachmittag, mit gewaltigen Regengüssen.
Ursel winkt. Sie hat an einer Felswand Gravuren entdeckt: Figuren, wenige Millimeter tief, kaum größer als eine Hand. Es könnten Schriftzeichen sein, Hieroglyphen. Rinder vielleicht, ein Haus oder umzäunte Weiden, verschiedene Geräte…
Dann sind wir also bereits im Tal der Wunder! Ich werde dort hinaufklettern, am Bach entlang. Er fließt zum Langen Oberen See hinunter.
„Ja, aber geh nicht zu weit weg und bleib nicht so lange“, bittet Ursel. Sie setzt sich zwischen das Geröll auf ein Moospolster und streckt die Füße aus. Hier ist sie nicht so ganz allein. Es kommen hin und wieder Leute vorbei, zumeist in kleinen Gruppen. Auch das Pärchen, das wir beim Aufstieg ein paar Mal getroffen haben, taucht auf und verschwindet im nächsten Felsental. Und wie eine Herde fröhlicher Lämmer zieht, eins hinter dem andern, die Kindergruppe, die wir am Zeltplatz gesehen haben, an uns vorbei. Ihnen macht das Klettern am wenigsten Mühe, und niemand scheint Angst zu haben, dass eins hinstürzen, abstürzen, sich verletzen könnte. Sie springen und laufen, als seien sie hier in dieser Wildnis aufgewachsen, und niemand schreit: Pass auf! Vorsicht, rutsch nicht ab! Halt dich fest!

Nachfahren der Menschen, der Hirtinnen und Hirten, Hexen, Magier und Schamanen, die gestern vor 4 000 Jahren mit Dolchen ihre Zeichen in das harte Gestein geschlagen haben.

Aufwärts zum Bégo
… zum Tal der Wunder.  Oben die Spitze des Bégo

Ich bin nun schon eine Weile allein unterwegs. Kein Pfad, kein Mensch. Vielleicht habe ich mich verstiegen. Weit unten im steinernen Meer sitzt Ursel, zusammengekauert, ein kleiner Punkt.

Im Tal der Wunder (1)
Im Tal der Wunder (1)

Hier könnte es sein! Ich klettere auf den Felsenrücken…,

Im Tal der Wunder (2)
Im Tal der Wunder (2)

…und um den Felsen herum – da!

Da sind sie, die Gravuren!
Die Gravuren!

Felsgravuren (2)

Felsgravuren (3)

Felsgravuren (4)

Felsgravuren (5)

Es sind so viele, dass ich sie nicht alle fotografieren kann. Hinter dem Berg grummelt es! Gewitter?  Der Abstieg ist schwieriger und gefährlicher, obwohl ich den Weg nun kenne.
Ursel ist erleichtert, als ich sie endlich erreicht habe. Sie erzählt mir, welche Ängste sie ausgestanden hat, als ich aus ihrem Blickfeld verschwunden war.
Es grummelt wieder! Das Auto steht weit unten, 1000 m tiefer. „Abwärts!“ Wir beeilen uns, so gut es geht. Auf halbem Wege donnert es gewaltig. Fast gleichzeitig der Blitz. Der Himmel zieht sich zusammen. Es wird dunkel. Wieder kracht es. Staub wird aufgewirbelt. Sturm. Jetzt pladdert es. Sturzbäche bilden sich um uns herum. Das Wasser strömt über unsere Füße. Der nasse, felsige Boden ist glatt. Wir entdecken eine kleine Höhle an unserem Weg. Wir wissen, dass Höhlen bei Gewitter keinen sicheren Schutz bieten, aber was passiert eher: dass wir vom Blitz getroffen oder von den Wassermassen den Berg hinunter gespült werden? Da gibt es nicht viel zu überlegen. Wir kriechen hinein und warten, bis das Höllenspektakel zu Ende ist und die Sonne wieder zum Vorschein kommt. Und gleich hinter dem Berg verschwindet. Als wir das Auto erreichen, wird es Nacht. –

———–

Fotos und Text © Dietrich Stahlbaum 2015.  Alle Rechte vorbehalten

Diesen Bericht hatte ich gleich nach unserer Reise geschrieben und  –  vergessen.  Jetzt, 26 Jahre später, habe ich mich wieder daran erinnert und veröffentliche ihn hier zum ersten Mal. Die Bilder sind aus einem Fotoalbum, gescannt.

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