„Ich will keine Brezel tanken“

Leserbrief an das Medienhaus Bauer, Marl, zu: E10. Berichte und Kommentar vom 28. 02. und 01. 03. 2011

Das größte Ärgernis ist nicht der Preis, sondern das Produkt: Man nennt es „Bio-Sprit“. Abgesehen davon, dass dieser Treibstoff „nur“ 10 % Ethanol enthält und zu fast 90 % aus Erdöl hergestellt wird – auch die 10 %, die dem Benzin zugesetzt werden, sind nicht das, was das Wort „Bio“ vortäuschen soll: ökologisch. Der Alkohol stammt aus Getreide, Mais, Raps, Rüben, Zuckerrohr.

Als ich heute tankte, stand auf einer Tafel am Eingang zum Verkaufs- und Kassenraum: „Brezel 0,99 €“. Beim Bezahlen sagte ich: “Ich will keine Brezel tanken.“ Und, als die Verkäuferin mich ansah, als sei ich aus einer anderen Welt: „Aber es gibt hier ja auch noch kein E10. Das werde ich nicht tanken.“ Warum nicht?

Schon vor Jahren ist in drei Studien, veröffentlicht in den Journalen Science und Atmospheric Chemistry and Physics, auf den ökologischen Schaden durch den Anbau und die Verwendung von Agrokraftstoffen hingewiesen worden. Darin heißt es, dass „die Produktion von Biosprit den Klimawandel in vielen Fällen drastisch beschleunigen kann.(…) Allein durch das Anpflanzen von Mais, Raps oder Palmöl entstehen oft mehr Treibhausgase, als durch die daraus gewonnenen Biokraftstoffe eingespart werden. (…)
Für Biosprit wird Tropenwald zerstört und in Agrarland umgewandelt. Zudem setzt Dünger, so der Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen, wesentlich mehr klimaschädliches Lachgas frei als bislang gedacht.“
Nach Angaben von Crutzen gibt der benötigte Dünger drei- bis fünfmal mehr Lachgas ab, als der Weltklimarat bislang angenommen hat. Bioethanol aus Mais sei bis zu 1,5 Mal klimaschädlicher als normaler Treibstoff.
[Quelle: Frankfurter Rundschau vom 08.02.08]

Besonders schädlich ist der Einsatz von Pestiziden beim Anbau von Raps, Mais, Getreide und, womöglich, von genmanipulierten Saaten. Außerdem werden, auch wenn es zurzeit „nur“ 10% Ethanol sind, zusätzlich enorme Ackerflächen gebraucht. Sie fehlen für wertvolle Biotope und den Anbau von Nahrungsmitteln.
Die Herstellungskosten von E10-Sprit sind höher als beim Supersprit, aber der Energiegehalt ist geringer, dementsprechend höher der Verbrauch (3-5 %). Wenn es keinen Supersprit mehr gibt, bleibt als Alternative Superplus. Durch dessen höheren Brennwert und geringeren Verbrauch wird der Preisvorteil von E10 fast aufgehoben, es sei denn, die Spritbarone treiben den Superplus-Preis in eine Schwindel erregende Höhe.

Am 4. März 2011 in den Zeitungen des Medienhauses Bauer und am 8. März 2011 in der Frankfurter Rundschau mit kleinen Änderungen erschienen.

(Weiterhin aktuell, deshalb von blog.de übernommen.)

Die Alternative:

... bei einem Agenda 21-Fest in Recklinghausen am 20. 09. 2003
… bei einem Agenda 21-Fest in Recklinghausen am 20. 09. 2003

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