Verkehrspolitik: Gigatrucks auf unseren Autobahnen?

Wir brauchen ein anderes Verkehrssystem. Ideen dafür gibt es genug, Szenarien, Zukunftsprojektionen, z. B. den rollenden Bürgersteig in großen und größeren Städten, – er würde den Autoverkehr fast überflüssig machen; das zusätzlich mit Segeln ausgestattete Containerschiff, – Prototypen wurden bereits erfolgreich erprobt, und anderes. Dabei stellt sich nicht in jedem Fall schon heute die Frage der Realisierbarkeit, noch nicht, denn es muss, vorausschauend gedacht, der Zukunft vorgegriffen und das, was notwendig ist, was notwendig sein wird, auf dem Reißbrett entworfen werden, unabhängig davon, ob es zurzeit technisch machbar und politisch durchsetzbar ist.
Auch radikale Forderungen haben ihren Sinn, selbst wenn sie, obwohl plausibel, auf massive Ablehnung stoßen. Am Ende kommt, oft nach Jahren, ein Kompromiss heraus, meistens leider zu spät. Ohne Kreativität und Innovationsmut gäbe es keinen technologischen und technischen Fortschritt, der zugleich ein ökologischer und sozialer wäre.
Kommentar:

Große Gefahr durch „ Monster-Brummis“

Günter Wolf kritisiert die Initiative von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke:

Rollende Riesen auf den Autobahnen: Auf der Strecke Mönchengladbach-Peine-Osnabrück werden sie demnächst zu sehen sein. 25 Meter lang, zunächst beladen mit leichter Ware, zugelassen für 44 Tonnen. Da konnte es in Düsseldorf Verkehrsminister Oliver Wittke nicht abwarten, bis der laufende Modellversuch für diese „Gigaliner“ in Niedersachsen ausgewertet sind – das soll Ende Dezember der Fall sein.
Argumente für die Riesen auf der Autobahn gibt es – es ließen sich ein Viertel der herkömmlichen Fahrten auf den Autobahnen einsparen, meint der NRW-Verkehrsminister. Auch konnte Personal eingespart werden. Die Gegenargumente sind aber stärker: Die Monster-Laster zerstören allein durch ihr Gewicht Brücken und Straßenbelag, die Einnahmen aus der Lkw-Maut gehen zurück und: Die Wirtschaft wird weiter ermuntert, immer mehr „rollende Lagerhäuser“ auf die Autobahnen zu bringen und ihre stationären zu schließen.
Dazu kommt, dass die Unfallgefahr durch die Monsterlaster deutlich anwächst – die Überholstrecke für Pkw wird ein ganzes Stück länger. Wenn ein traditioneller Lkw einen „Gigaliner“ überholt, dauert das deutlich länger als die bisherigen, oft schon ärgerlichen Lkw-Überholmanöver. Die Zahl der unerträglich langen Staus wird weiter wachsen, die Verkehrssicherheit wird abnehmen.
Man kann Bundesverkehrsminister Tiefensee verstehen, wenn er den nordrhein-westfälischen Vorstoß scharf kritisiert, konterkariert er doch den von den Verkehrsministern beschlossenen Modellversuch in Niedersachsen. Außerdem, so steht zu befürchten, ist der Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen so dicht, dass die 25 Meterlangen Brummis ein Gefahrenpotential darstellen.
Auf dem dichten deutschen Autobahnnetz fahren schon jetzt zu viele Lastwagen. Notwendig wäre, mehr Güter auf die Schiene zu bringen und über lange Strecken zu transportieren. Mit Monster-Trucks kann man in dünn besiedelten Gebieten Waren transportieren – auf den Straßen im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen haben sie nichts zu suchen.

[Zeitungen des Zeitungshauses Bauer, Marl, NRW, hier Recklinghäuser Z. vom 21.12.06]

Leserbrief:

PKW-Fahrer und -Fahrerinnen werden dem Kommentar von Günter Wolf vorbehaltlos zustimmen können. Autobahnen und andere Fernstraßen sind schon heute überlastet, besonders in Deutschland, das unter dem Transitverkehr am meisten zu leiden hat. Durch die wirtschaftliche Entwicklung in den osteuropäischen Ländern und durch den Ausbau deutscher Häfen wird der Gütertransport weiter zunehmen. Daher ist ein Umdenken in der Verkehrspolitik dringend notwendig. Auf die Schiene gehört der gesamte Fernlast-, zu allererst der Transitverkehr. Optimal wäre ein Containersystem (LKW-Bahn-Schiff), zunächst in Deutschland, dann in ganz Europa. Dies würde ein zeitraubendes Umladen der Güter ersparen. Was im Ausland noch auf Lastern transportiert wird, würde dann an der deutschen Grenze von der Bahn übernommen. Ebenso könnte alles, was z. B. vom Hamburger Hafen nach München, Berlin, Paris oder Rom transportiert werden soll, gleich im Container mit der Bahn befördert werden. Ein Jahrhundertprojekt. Damit wäre der Ökologie und der Verkehrssicherheit am besten gedient.

Dietrich Stahlbaum, Recklinghausen

Am 08.01 2007 in den Zeitungen des Zeitungshauses Bauer, Marl, veröffentlicht.
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Folgender Beitrag von der Allianz pro Schiene übernommen:

Erste Einzelheiten der BASt-Studie zu 60-Tonnen LKW

Bundesregierung: „Erhebliche Belastungen“

Berlin. Als Bestätigung ihrer Bedenken bewertet die Allianz pro Schiene die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von FDP-Abgeordneten zum Thema 60-Tonnen LKW. „Die Bundesregierung benennt in ihrer Antwort zentrale Argumente, welche die wirtschaftliche und ökologische Unsinnigkeit von 60-Tonnen-LKW deutlich machen und folgt damit unserer Argumentation, das freut uns“, so Norbert Hansen, Vorsitzender der Allianz pro Schiene.

In der Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/3901) werden erstmals Details aus der Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) benannt, die im Februar 2007 veröffentlicht werden soll:

1. Die BASt kommt in ihrem Gutachten zu dem vorläufigen Schluss, dass 60-Tonner erheblich höhere Belastungen für die Brücken des Bundesfernstraßennetzes nach sich ziehen. Damit seien auch „Auswirkungen auf die Lebensdauer von Brücken ableitbar. Diese müssten nach jetzigem Kenntnisstand verstärkt oder schrittweise ersetzt werden“.

2. Ein hohes Sicherheitsrisiko wird auch bei Tunneln festgestellt. Der Einsatz von 60-Tonnern werde demnach „erhöhte Anforderungen an die Sicherheitsausstattung innerhalb von Tunnelbauwerken ergeben.“

3. Eine weitere Schwachstelle sind Leitplanken: Zur Zeit gibt es demnach keine Systeme, „die einem Anprall mit längeren und/oder schwereren Fahrzeugen standhalten würden“. Entsprechende Systeme sind offenbar derzeit „nicht verfügbar“ und „eine flächendeckende Ausstattung des Straßennetzes wäre wirtschaftlich nicht vertretbar“.

4. Die Befahrbarkeit von Innenstädten (insbesondere Kreisverkehren) ist nicht möglich. Die Schlussfolgerung der Studie: „In Städten käme der Einsatz derartiger Fahrzeuge nicht in Betracht“.

5. Erhebliche Probleme werden auch auf Rastplätzen erwartet Durch die 25-Meter langen Kolosse werden „rund 20 Prozent der derzeitigen Stellplatzkapazitäten entfallen“.

6. Unter dem Aspekt Verkehrssicherheit kommt die BASt zu dem Schluss, dass Unfälle mit 60-Tonnen-LKW deutlich gravierendere Folgen haben würden, als mit den heute zugelassenen LKW. Schon heute ist an jedem fünften tödlichen Straßenverkehrsunfall ein LKW beteiligt.

Norbert Hansen: „Bereits die ersten Ergebnisse der BASt-Studie lassen erkennen, dass der 60-Tonner eine Fehlgeburt ist. Wir plädieren für eine rasche und einfache Bestattung auf dem Schrottplatz für Erfindungen, die niemand braucht“.

Hinweis: Eine Resolution der Allianz pro Schiene zu 60-Tonnen LKW finden Sie als Anhang zu dieser PM →
_ http://www.nomegatrucks.eu/deu/

Weiterhin aktuell, deshalb von blog.de übernommen.
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