Unsere Lebensweise ändern? (Zu einem Vortrag von Franz Alt)

Auf dem Maisfeld des Bioland-Bauern Theo Schürmann in Oer-Erkenschwick (NRW)
Auf einem Maisfeld des Bioland-Bauern Theo Schürmann in Oer-Erkenschwick (NRW)

Mir ist durchaus klar, dass sich die Menschen nicht zwingen lassen werden, ihre Lebensweise zu ändern, und dass auch „Vorbilder“, die dem allgemeinen Trend nicht folgen und im Sinne Buddhas oder Kants Vernunft-bestimmt leben, nichts bewirken können. Eher versucht die große Mehrheit, sich den jeweiligen Lebensverhältnissen anzupassen bzw. „das Beste für sich herauszuschlagen“. Mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

Unser Verhalten ist zumeist Trieb-gesteuert. Süchte bestimmen unser Denken, unser Tun. Besonders Habgier und Besitztrieb. Deshalb müssen zuerst einmal die (materiellen) Lebensverhältnisse verändert werden, die (sozialen) Strukturen. Ein Prozess, über den politisch, demokratisch zu entscheiden wäre.

Zum Beispiel muss in Deutschland und sicherlich auch in den anderen europäischen Ländern, sowie in den USA die Übermotorisierung gestoppt werden. Jüngst erschienen Zeitungsberichte, die besagen, dass die deutschen Autokäufer Fahrzeuge mit immer stärkeren Motoren, also mehr PS, verlangen, obwohl dies gar nicht nötig wäre, also wohl aus Prestigegründen. Es müssen eben die Steuern für solche Fahrzeuge so angehoben werden, dass die Autoindustrie jegliches Interesse daran verliert, für Spritfresser zu werben, dass sie dem allgemeinen Gigantismus abschwört, mehr in die Entwicklung von „Sparautos“ investiert und mit E. F. Schumachers Leitziel „Small is Beautiful“ wirbt. [Titel eines seiner Bücher, deutsch: Die Rückkehr zum menschlichen Maß, Reinbeck bei Hamburg 1977 (Rowohlt); 316 Seiten; Originalausgabe: Small is Beautiful. A Study of Economics as is People Mattered, London 1973]

Nächster Punkt wäre die Fahrweise: Eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung und Verkehrsberuhigung würde Produktion und Kauf von schnellen Autos sinnlos machen und Autofahrer an ein maßvolles, d. h. angemessenes Tempo gewöhnen.
Die Billigflieger müssen gestoppt werden. Sie verführen zu Kurzurlauben in weiter Ferne. Mehrmals im Jahr. Eine Unsitte, denn dabei wird die „Ferne“ in nächster Nähe gar nicht richtig wahrgenommen. Man bewegt sich kaum weiter als bis zum „Swimming-pool“, und erholt ist man erst ab dritter Urlaubswoche. Also muss die Kerosinsteuer her, und zwar nicht zu knapp! Das muss global beschlossen werden.

Auf die Massentierhaltung kann verzichtet werden, wenn unser Fleischkonsum auf ein Gesundheits-verträgliches Maß eingeschränkt wird und in den Industrieländern die Verschwendung von Nahrungsmitteln aufhört. Auch hier ist die Politik gefragt.
Weltweit vernetzte Initiativen und NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) arbeiten daran, Einfluss zu nehmen, um die Bevölkerungen aufzuklären und zu ermutigen, den Primat der Politik über die Wirtschaft wieder herzustellen. Es wird nur hier bei uns zu wenig darüber berichtet. Franz Alt, den ich ebenfalls sehr schätze, hat in einem Vortrag positive Beispiele genannt und gezeigt.

Ich weiß nicht, ob der selbstzerstörerische Trieb und Trend der Menschheit aufzuhalten sind. Eins ist gewiss: In die richtige Richtung führt allein der »mittlere Weg«, der Weg zwischen Askese und Verschwendung. Das wusste schon der Buddha uns zu sagen, vor 2500 Jahren.

S.  a.  Seite ÖKOLOGIE im ZEITFRAGENFORUM → http://www.dietrichstahlbaum.de

Weiterhin aktuell, deshalb von blog.de (01. 09. 2006) übernommen.

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