Für eine andere Verkehrspolitik

In der Tat, es ist ein Skandal; denn es sind ja nicht allein Menschen, die dem Verkehr, sagen wir besser: dem Autowahn und den Profitinteressen der Wirtschaft geopfert werden, es sind ebenso die Ökosysteme, die nachhaltig zerstört werden: durch Landschaftsverbrauch (Straßenversiegelung), Klimaerwärmung und Vergiftung der Luft und der Pflanzenwelt (Abgase und Reifenabrieb).
Die Autoindustrie wurde zum Motor der Wirtschaft gemacht, ohne an die Folgen zu denken. Ich erinnere mich noch daran, wie in unseren Großstädten ganze Häuserzeilen, die nach dem 2. WK wieder aufgebaut worden sind oder neu entstanden waren, abgerissen wurden, um neuen und breiteren Straßen Platz zu machen. Mobilität und Export waren die Devise der Wirtschaftswundermänner. Und so wurden wir automobil gemacht, aufgerüstet für einen Krieg auf den Straßen, für einen Kampf um die Zeit, den heute nicht einmal mehr der Schnellste gewinnen kann, denn aus dem Fahrzeug ist längst ein Stehzeug geworden, besonders zu Tageszeiten, wo ein Fahrzeug noch einen gewissen Nutzen haben könnte.

Die Innenstädte veröden, weil sich der Handel auf die (ehemals) grüne Wiese verlagert hat und Tag für Tag zur Jagd nach (Sonder-) Angeboten geblasen wird. Das Auto macht`s ja möglich. Und ist es erst einmal zum Statussymbol gemacht, dann ist eine größtmögliche Karosse wichtiger, als gesunde Lebensmittel es einmal waren.
Als Exportartikel 1 hat uns das Auto in die größte Abhängigkeit gebracht, die wir jemals erleben mussten. Den Rest besorgen technischer Fortschritt und globale Unternehmen, nämlich: Schrumpfung des Binnenmarkts und sozialer Rückschritt.

Eine weitere Folge unserer Automobilität: massenhafte Erkrankungen durch Bewegungsmangel.
Die Individualisierung des Verkehrswesens hat uns in die Sackgasse geführt. Da kommen wir so schnell, wie wir hineingekommen sind, nicht wieder heraus. Da das Auto nicht nur für sehr viele junge Leute ein Suchtmittel ist, müsste die Politik eingreifen. Zum Beispiel durch
→ Einführung einer PKW-Maut. Die Einnahmen werden nicht zum Ausbau von Autobahnen verwendet, sondern zur Erhaltung bestehender Straßen, zur Beseitigung aller ökologisch relevanten Schäden, die durch den Verkehr angerichtet werden, und zur Verlagerung des Individualverkehrs auf die Schiene.
→ merklich höhere und progressive Besteuerung aller PS-starken Fahrzeuge, zusätzlich aller Dieselbetriebenen ohne Russfilter.
→ Schaffung eines Containersystems (Straße/Bahn/Wasser), um den Transportfern-(vor allem den Transit-)verkehr durch Deutschland zu verringern. Was z. B. vom Hamburger Hafen nach München, Berlin, Paris oder Rom transportiert werden soll, könnte dann gleich im Container mit der Bahn befördert werden.

Schließlich sollte durch
→ Einführung einer Kerosinsteuer die Billigfliegerei abgeschafft werden. Sie befördert den Massentourismus. Beides belastet die Umwelt. Wer in Paradiese flüchten kann, wird sich um sein verödetes Zuhause keine Sorgen machen.

1965 veröffentlichte Alexander Mitscherlich sein Buch Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Es ist so aktuell geblieben, dass es immer wieder neu aufgelegt wurde und auch heute erhältlich ist.

Von blog.de (15. 11. 2009) übernommen.

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