Ein zen-buddhistisches Retreat mit Thich Nhat Hanh

Im Juni 2001 habe ich an einem buddhistischen Retreat teilgenommen.

Fünf Tage in Oberlethe im Oldenburger Land
03.Oberlethe00404.Oberlethe00201.Buddha in Oberlethe00302.Buddha in Oberlethemit

06.Gehmeditation001Thich Nhât Hanh * (vorn links) und

08.Chân Không002Châng Kông (vorn links), einer Bhikkhuni,

zwanzig weiteren buddhistischen Nonnen und Mönchen aus Südfrankreich und fünfhundert Teilnehmer/inne/n aus ganz Deutschland. Ein Achtsamkeitsretreat: Zazen, Kinhin (Gehmeditation),
Dharma-Vorträge, Dharma-Diskussionen und eine buddh. Hochzeit. Der damals 75-jährige Thay (T.N.H) saß während seines (freien) Vertrags morgens über zwei Stunden im Lotusssitz, nachmittags nochmals zwei Stunden und an einem Tag ein drittes Mal am Abend, wo er auf sehr originelle und humorvolle Weise Fragen beantwortet hat. Gedolmetscht wurde simultan aus dem Englischen von einem deutschen Mönch; er hat auch einige der zahlreichen Bücher des Thay ins Deutsche übersetzt.
Morgens um sieben Uhr begaben sich fünfhundert Menschen schweigend in eine große, helle Reithalle. Barfuß oder auf warmen Socken betraten wir einen Bretterboden, der lose auf planierten Sand gelegt worden war, setzten uns auf unsere Isoliermatten, Sitzkissen u. dgl., zogen uns eine warme Jacke oder Decke über die Schultern und übten eineinhalb Stunden lang Zazen (Sitzmeditation). Dabei war auf den eigenen Atem zu achten, ihn zu spüren, dem Atem, dem Lebensrhythmus, zu folgen und sich nicht ablenken zu lassen von den kalten Windböen, die das Knistern unterm Hallendach verursachten, vom lautlosen Flattern einer Schwalbe und vom Wiehern eines Pferdes draußen auf der Koppel.
Eingeschlafene wurden von Zeit zu Zeit vom langen Ton einer Klangschale geweckt. Zwischen uns saßen Erdmännchen: die kleinen vietnamesischen Nonnen und Mönche in dunkelbraunen Roben und mit Strickmützen auf den rasierten Köpfen.
Nach einem meditativen Frühstück der Dharma -Vortrag des Thay und eine Gehmeditation durch den Park. Schweigend wurde auch Mittag gegessen, abends in die Pension gefahren oder ins Zelt gegangen. Nachmittags Tiefenentspannung und Achtsamkeitsübungen.

07.Rund um den Teich00111.Retreat in Oberlethe002Abends in Kleingruppen mit Nonnen und Mönchen. Dharma-Gespräche über Fragen zu Lehre und Praxis und vor dem Schlafengehen eine weitere Sitzmeditation. Alles vollzog sich in großer Ruhe und Stille, und man begegnete einander freundschaftlich lächelnd.
12.Retreat in Oberlethe00313.Retreat in Oberlethe00609.buddh. Hochzeit in Oberlethe004Eine buddhistische Hochzeit
10.Das Brautpaar in Oberlethe005Das Brautpaar

05.Oberlethe00114.Zen-Garten in Oberlethe001
Zengarten
15.Zentor2
Das torlose Tor

Mindestens eine Stunde gemeinsamer Sitz- und Gehmeditation vor jeder Debatte täte den Parlamentariern und allen anderen, die den politischen Streit suchen, gut, vor allem aber der Sache, um die es dabei geht. Dann brauchte man sich nicht um mangelnde „Streitkultur“ zu beklagen. Man würde lernen, zuzuhören, Argumente und Beweggründe anderer zu verstehen und gelassener, achtsamer miteinander umzugehen.

*) Thich Nhât Hanh ist Zen-Lehrer, Historiker, Dichter und Philosoph. Er wird hoch geachtet. Nicht nur wegen seiner zahlreichen Bücher, veröffentlicht in 17 Sprachen. Sondern weil er lebt, was er lehrt. Nämlich einen «engagierten Buddhismus», den er während des ersten Vietnamkrieges initiiert hat.
Damals hat er sich mit Chân Không in Vietnam um Kriegsopfer gekümmert. Später half er beim Wiederaufbau von zerstörten Dörfern und beim Aufbau von Krankenhäusern und Schulen. Bootspeople verhalf er zur Flucht.
In den 60er Jahren ging er nach Amerika und gründete buddhistische Zentren, in denen kriegstraumatisierte Flüchtlinge und US-Vietnamveteranen betreut wurden, darunter Claude AnShin Thomas. Er bereiste fast alle Kontinente, um für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrechte zu werben.
1969 war Thich Nhât Hanh Mitglied der buddhistischen Delegation bei den Friedensverhandlungen für Vietnam in Paris.
Nach Kriegsende verweigerte ihm das neue Regime die Rückkehr nach Vietnam. Erst letztes Jahr wurden ihm und einer Delegation von rd. 70 Nonnen und Mönchen ein längerer Besuch seiner alten Heimat erlaubt. Er wurde offiziell empfangen und gewürdigt.
1982 gründete er in Südfrankreich das größte buddhistische Zentrum Europas, ein ganzes Dorf, Plum Village bei Bordeaux:

Dort leben rd. 500 Nonnen, Mönche und Nichtordinierte. Tausende Menschen aus aller Welt besuchen dieses Friedensdorf, nehmen an retreats teil, befassen sich mit buddhistischen Studien und mit der Zen-Praxis, finden hier Rat und Hilfe. Auch hier werden Hilfsaktionen für Vietnam organisiert. Thich Nhât Hanh ist trotz seines Alters (82) noch viel unterwegs. Nicht etwa in einer Luxuskarosse, sondern, von Nonnen und Mönchen begleitet, mit der Bahn, im Mietbus oder im Flugzeug. So hat er israelisch-palästinensische Friedensgruppen aufgesucht, Menschen aus beiden „Lagern“ zusammengebracht und später als Gäste in Plum Village empfangen.
1967 hatte Martin Luther King ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Siehe auch die Seite Buddhismus im ZEITFRAGENFORUM →  http://www.dietrichstahlbaum.de

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