Hightec-Medizin und Ganzheitsmedizin

Ich stelle Hightec-Medizin und Ganzheitsmedizin hier nochmals zur Diskussion. Der Beitrag ist zwar schon viel gelesen worden, auch in anderen Foren, aber im Zusammenhang mit der „Gesundheitsreform“ ist er doch wohl noch aktueller als im Juni 2002:

Sagte die 83-jährige Marktfrau an ihrem Stand:
„ Früher kamen sie zu hunderten
und haben Gemüsepflanzen gekauft.
Heute gehen sie dauernd zum Arzt
und lassen sich ihr Rheuma behandeln.“

Attac und ver.di bekämpfen Bestrebungen, in Deutschland das Gesundheitswesen weiter zu privatisieren. Während der Diskussionsphase hatte ich mich zu ihrer Kritik an der Gesundheitspolitik, den Privatisierungsplänen und am Zweiklassensystem positiv geäußert. Aber auch geschrieben:
Diese Kritik ist jedoch systemimmanent und kann daher nur ein kleiner Anfang einer grundlegend anderen, einer umfassenden und tief greifenden Gesundheitsreform sein.

Es ist schwierig, auf diesem Gebiet einen Konsens „herzustellen“, weil trotz Hippokrates handfeste materielle Interessen im Wege sind und auch die Medizin keine objektive Wissenschaft sein kann. (Beispiel: Mein Schwager ist bei seinem ersten Staatsexamen im Mündlichen durchgefallen, weil er die Frage, ob der Kaiserschnitt senkrecht oder waagerecht vorgenommen werden müsse, anderer Meinung als sein Examinator war. Seine Meinung war, wie sich später erwies, auch nicht falsch.)

Gesundheit darf keine Ware sein. Das Recht auf ärztliche Versorgung ist ein Menschenrecht; es ist unteilbar. Diesem Recht Geltung zu verschaffen, sollte ein Ziel der Globalisierung sein.

Ich gehe hier nicht auf Strukturfragen ein, auf Fragen zur Organisation des Gesundheitssystems, so wichtig sie sind, sondern stelle Fragen, die unser Bewusstsein betreffen und die überhaupt erst einmal geklärt werden sollten. Dies ist erst einmal ein Denkansatz, mehr nicht:

Was ist Gesundheit? Was ist Krankheit?

Warum werden Menschen krank – hier in einem hoch entwickelten Industrieland, dort in der „3. Welt“? Liegt es hauptsächlich an den Lebensverhältnissen und -bedingungen, die ja von Menschen, also von uns geschaffen wurden? (Konsum-, sonstige Lebensgewohnheiten, „Umwelt“, Arbeitsbedingungen…) Dann sollten sie auch von uns verändert werden, individuell und gesellschaftlich!

Wenn ein Mensch krank wird, hat das viele Ursachen und ist monokausal und allein physiologisch nicht erklärbar. Krank ist auch nicht „die Galle“, „die Niere“„das Herz“ – der ganze Mensch ist krank, wenn eine Niere, das Herz, die Galle oder ein anderes Organ nicht mehr richtig funktioniert. Und wenn man das weiter hinterfragt, kommt ein ganzer Ursachenkomplex zum Vorschein. Die Symptome zeigen sich an einzelnen Organen oder Körperbereichen, und dort manifestieren sich auch die Schäden, sicht- und messbar; aber ist dadurch, dass diese Schäden beseitigt werden, sei es durch Operationen, Medikamente und/oder andere Eingriffe, der kranke Mensch geheilt? Meistens zeigt sich ein neues Symptom, weil eben nicht der ganze Mensch, sondern allein seine Niere, sein Herz, seine Galle behandelt worden ist.

So gibt es in unserer, auf Konsum und Spaß fixierten Gesellschaft immer mehr Patienten, also kranke, leidende Menschen. Bei vielen von ihnen taucht eine „Krankheit“ nach der anderen auf, sicht- und messbar, und bei manchen gibt es schon fast nichts mehr zu operieren. Sie laufen dann von einem Arzt zum anderen und können nicht geheilt werden.

Was fehlt ihnen denn? Zuwendung. Und die soll ersetzt werden durch gute Worte und die Hand des Arztes, der Krankenschwester, des Pflegers, der Praxishilfe: durch Be-Hand-lung.

Ursachen? Zwischenmenschliche Probleme und deren Verdrängung? Gestörte, „kaputte“ Beziehungen? Probleme in Familie, Schule und Ausbildung, am Arbeitsplatz? Arbeitslosigkeit?… Lebensängste? Mobbing, Psychoterror jeder Art? Körperfeindliche Moralvorstellungen, uneingestandene sexuelle Probleme? Ein weites Feld, das unbeackert vor uns liegt!

Soll die Solidargemeinschaft, als die wir uns bezeichnen, Gesundheitsschäden mitbezahlen, die durch Suchtverhalten entstehen (z.B. Nikotin/Teer, Alkohol, Medikamente, Drogen) und durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Übermotorisierung und Fehlverhalten im Straßenverkehr…? Müssen wir nicht auch hier nach den Ursachen fragen, danach, woran es liegt, dass der Mensch falsch lebt und dadurch krank wird?

Wozu die teure Hightec-Medizin? Ist der ganze technische Aufwand überflüssig, ja, womöglich schädlich? Führt das in der Diagnostik nicht allzu leicht auf die falsche Fährte? Und verführt es nicht allzu schnell zum übermäßigen Gebrauch von Technik und Chemie? Diese Fragen warten auf eine differenzierte Antwort.

Im 17.Jh., als in Europa eine materialistische, mechanistische Medizin entstanden ist und damit die Vorläuferin unserer heutigen technokratischen Medizin, sind die überlieferten Heilweisen verteufelt und verboten worden. (Naturmedizin, Schamanismus; der „Schamane “ ist allerdings geblieben: in Gestalt des Halbgottes in Weiß. So erleben ihn viele Patient/inn/en).

Wie diese hoch spezialisierte Schmalspurmedizin funktioniert, das haben Sie eben gelesen.* Die Apparate können die Ursachen von Herrn Krückemeiers Unterbauchbeschwerden nicht erkennen: den Stress, der wiederum Ursachen hat. Dem Patienten wird das bewusst, und er zieht die Konsequenzen.

Mitte der 60-er Jahre hat Alexander Mitscherlich die psychosomatische Medizin, uraltes Heilwissen, wieder entdeckt. (Krankheit als Konflikt, Frankfurt a. M. 1966) Aber ist die Psychosomatik nicht schon überholt, weil sie heute auch nur als eine eingeschränkte Methode angewendet wird?

Ärzte behandeln Krankheiten. In vielen Ländern Asiens hingegen wird seit Jahrtausenden gelehrt, auf eine gesunde Lebensweise** zu achten. Und da werden Ärzte, Ärztinnen ausgebildet, um die Bevölkerung darüber aufzuklären und dazu anzuleiten, kurz: Krankheiten vorbeugen zu helfen. Wäre es nicht auch bei uns not-wendig, die Medizin auf eine ganzheitliche, ökologische Grundlage zu stellen? Wäre es nicht an der Zeit, in Diagnostik und Therapeutik den ganzen Menschen einzubeziehen, samt seiner Mitwelt? Apparate sehen allein seinen Korpus.

Sollten wir uns nicht endlich auf die Eigenverantwortlichkeit besinnen und uns von falschen Abhängigkeiten befreien?

„Wir sind aufgefordert, uns die Kraft, uns selbst zu helfen, wieder anzueignen, die wir portionsweise an Priester, Lehrer, Therapeuten, Eltern und Ärzte abgetreten haben.“

Edward Bauman (in: Das Buch der ganzheitlichen Gesundheit, Bern… 1982)

Ärzte, Ärztinnen und Krankenhäuser würden dadurch nicht überflüssig werden; aber durch Vertrauen in die Selbstheilungskräfte können Krankheiten und viele Verletzungen, die nie ganz aus der Welt zu schaffen sind, gemildert und schneller überwunden werden. Von einer „Kostenexplosion im Gesundheitswesen“ könnte dann bei uns bald keine Rede mehr sein.
———————-
* Dies bezieht sich auf die Kurzgeschichte Die Apparate sehen das nicht, in: Dietrich Stahlbaum: Der kleine Mann. Geschichten, Satiren, Reportagen aus sechs Jahrzehnten, Recklinghausen 2005. Vergriffen, seit 2012 als eBook   →  http://www.bookrix.de/_title-de-dietrich-stahlbaum-der-kleine-mann
** Schon eine Stunde Yoga täglich, intensiv als Körpermeditation geübt, kann manchen Arztbesuch und manche Tablette überflüssig machen. Das weiß ich aus eigener, nahezu zwanzigjähriger Erfahrung. Siehe hier im Blog!

Ich wünsche allen, die dies lesen, eine gute Gesundheit und so viel Selbstvertrauen, wie hierzu erforderlich ist.

Weitere Literatur: Lown, Bernard: Die verlorene Kunst des Heilens
Anstiftung zum Umdenken
,
suhrkamp taschenbuch 3574
Auflage: 6., Aufl. (April 2004), 400 Seiten, Broschur

Mehr über dieses Buch => http://www.amazon.de/verlorene-Kunst-Heilens-Anleitung-Umdenken/dp/3518455745/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1200400262&sr=1-1

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