Die Kohle

Kohlenfrachtschiff
Kohlefrachtschiff, ein „Schuber“, auf dem Niederrhein bei Rees. Fährt Rhein-aufwärts! Es ist also Importkohle. Fotografiert am Ostermontag 2007

Sie wird immer knapper, die Kohle auf unserm Konto und die Steinkohle auf unserm Planeten. Über die Steinkohle bin ich nicht mehr ganz auf dem neusten Stand, denn ich habe mich damit nicht so intensiv befasst wie zwischen 1965 und 85.

In den 60er Jahren begann das „Zechensterben“ [ Siehe: Kohle für Kunst, Kunst für Kohle.  Hier im Blog]. Die „freigesetzten“ Kumpels wurden auf die verbleibenden Betriebe versetzt und mussten bis zu 60/70 Kilometer zwischen Wohnung und neuem Arbeitsplatz hin- und herpendeln oder wurden umgeschult, die Älteren schickte man frühzeitig in die Rente. Da halfen keine schwarzen Fahnen, keine Proteste. Die Kohle aus Oberschlesien war billiger.

»ÖKOLOGIE« war noch ein Fremdwort, aber es gab bereits Bürgerinitiativen, die für einen „blauen Himmel über dem Ruhrgebiet“ gekämpft haben – mit Erfolg. Die Schlote bekamen Russfilter, diese fingen den Kohlenstaub auf, und man konnte weiße Wäsche im Garten aufhängen, auch wenn der Wind aus der Zechenrichtung herüberwehte. Der Feinstaub blieb und ist heute als Problem erkannt. 1974 wurde die Rauchgasentschwefelung für neue, 1983 für alle Steinkohlekraftwerke zur Pflicht.

In den 80er Jahren waren kontaminierte Böden ehemaliger Zechengelände, Abraumhalden. Bergschäden und die geplante „Nordwanderung der Kohle“ Probleme, die wir – DIE GRÜNEN – in die Diskussion gebracht haben, gegen den Willen einer mächtigen SPD-Kohlefraktion. Ich war damals zeitweilig Kreissprecher und Landtagskandidat und habe an vielen öffentlichen Diskussionen, bei denen auch der Bergbau angesprochen wurde, teilgenommen.

Landrat Marmulla und Kreistagsfraktionschef Niggemeier ließen sich erwartungsgemäß nicht davon überzeugen, dass eine „Nordwanderung“ sowohl der Ökologie als auch der ÖKonomie schaden würde, wie sich später herausgestellt hat, dass eine über 100 m hohe
Halde Hoheward in RE/Herten
Halde in Herten-RE/Hochlarmark die Frischluftzufuhr in RE-Süd und in anderen nahen Stadtteilen blockieren würde, dass Bergschäden vermieden würden, wenn der Kohleraub- und -bruchbau beendet und statt einer Aufhaldung der Abraum wie früher unter Tage verbracht, in die ausgeräumten Räume geblasen würde [Untertageversatz]. Nein, die Hohlräume wurden weiter unter Wasser gesetzt und für immer unzugänglich gemacht. Einige stürzten ein. Kleine Erdbeben waren und sind die Folge. Bergschäden treten auch heute noch auf, Jahrzehnte nach Schließung der Gruben, und verursachen hohe Kosten.

Der Landrat, der selber als Bergbaulehrling angefangen hatte, sagte dazu: Der Zug ist abgefahren. Die modernen Abbautechniken lassen einen Blasversatz nicht mehr zu. Es gibt auch keine Unternehmen mehr, die die nötigen Geräte herstellen.

Ich hielt ihm vor, dass auf den alten Revieren noch etliche Millionen Tonnen Kohle ungenutzt in der Erde lagern und, wenn die Nordwanderung schief geht – das tat sie dann auch, denn die Flöze reichten in immer größere Tiefen – diese noch vorhandenen Kohlelager nicht mehr aufgemacht werden könnten, weil die Zugänge versoffen seien. Marmulla antwortete: Seit die Stahlproduktion zurückgegangen ist und immer mehr Hochöfen stillgelegt werden müssen, brauchen wir weniger Kohle als bisher. Außerdem ist unsere Steinkohle viel zu kostbar, um verheizt und verstromt zu werden. Dafür nehmen wir billige Importkohle. Die deutsche Kohle geht vor allem in die chemische Industrie.

Damit sind wir bei meiner heutigen Kritik:

So bedauerlich es ist, dass sehr viele Arbeitsplätze verloren gehen, wenn die – hochsubventionierte – Steinkohleförderung in Deutschland eingestellt wird, die wirtschaftlichen und ökologischen Gründe dafür wiegen schwerer als soziale Gründe für deren Erhalt. Wenn wir nicht jetzt damit beginnen, den Klimaschutz, überhaupt den Naturschutz ernst zu nehmen, und alles daransetzen, Energie sparende Techniken zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln, die alternative Energieerzeugung voranzutreiben und unsere verschwenderische Lebensweise ändern: sie ökologisieren, dann wird es bald zu spät sein. Die ökologischen Probleme* sind allein technisch nicht zu lösen. Dies betrifft die Steinkohle ebenso wie die Braunkohle.

CO2 ist auch nicht das ganze Problem.

Ein kleiner, dem Bedarf der chemischen Industrie angemessener Steinkohlensockel sollte bleiben, wenn es sich rechnet.

Es versteht sich von selbst, dass soziale Härten vermieden und entsprechende Programme aufgelegt werden müssen.

——–
* Siehe Seite »Ökologie« im ZEITFRAGENFORUM => www.dietrichstahlbaum.de

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